
Mit lodernden Flammen, närrischem Geheul und still bewegenden Momenten hat Tiefenbronn die fünfte Jahreszeit verabschiedet. Foto © Georg Kost
TIEFENBRONN, 18.02.2026 (rsr) – Mit lodernden Flammen, närrischem Geheul und still bewegenden Momenten hat Tiefenbronn die fünfte Jahreszeit verabschiedet. Die traditionelle Schneemannsverbrennung am Forcheneck – jenem Ort, an dem Anfang Januar der Narrenbaum mit seinem in den Himmel ragenden Wurzelwerk getauft wurde – setzte den symbolischen Schlusspunkt unter die Fasnet des Tiefenbronner Carnevalsverein (TCV). Zugleich markierte sie den Übergang in die stille Zeit vor dem nahenden Aschermittwoch.
Schon beim Einbruch der Dunkelheit lag eine besondere Stimmung über dem Forcheneck. Lautes Hexengeheul, Schellenklang und buntes Narrentreiben begleiteten den Schneemann auf seinem letzten Weg. Viele Zuschauer verfolgten sichtlich bewegt, wie die Symbolfigur des Winters schließlich den Flammen übergeben wurde. Mit dem knisternden Feuer verabschiedeten sich die Narren nicht nur von der Kampagne, sondern auch vom Winter – ein uralter Brauch, der das Austreiben der kalten Jahreszeit mit dem Aufbruch in den Frühling verbindet.
Tradition mit Wurzeln im Ortskern
Seit mehr als fünf Jahrzehnten pflegt Tiefenbronn diese besondere Form des Fasnetsabschlusses. Ihren Ursprung hatte die Schneemannsverbrennung einst im Ortskern an der Gabelung Seehausstraße/Wimsheimstraße. Heute bietet das Forcheneck die stimmungsvolle Kulisse für das Finale einer kurzen, aber intensiven Kampagnenzeit.

Ihren Ursprung hatte die Schneemannsverbrennung einst im Ortskern, an der Gabelung Seehausstraße/Wimsheimstraße. Damals unter Ernst Pfeffinger (Mitte/links), der von 1954-1960 und von 1969-1987 dem TCV als Präsident vorstand. Archivfoto: TCV/privat
In der regionalen Fasnetslandschaft gilt die Tiefenbronner Schneemannsverbrennung als Besonderheit. Neben Dillweißenstein zählt sie zu den wenigen Orten, an denen dieses Ritual lebendig geblieben ist.
Abschied von der Kampagne
Der letzte Fasnetstag begann noch in gelöster Atmosphäre. Der traditionelle Rathaussturm mit Zunftfrühstück im Rathauskeller – gemeinsam mit Bürgermeister und Zunftmitgliedern – unterstrich die enge Verbundenheit zwischen Verein, Gemeinde und Bürgerschaft. Am Abend jedoch wich die Heitereit einer feierlichen Melancholie.
Für die Gemmingenhexen Tiefenbronn und alle Aktiven des TCV bedeutete der Abend Abschiednehmen: von närrischen Wochen voller Umzüge, Sitzungen und Begegnungen und Hibbele Hoi. Der Schneemann wurde dabei zum Sinnbild dieses Abschließens – und zugleich zum Versprechen eines Neubeginns.
Prinzliche Pflicht im Feuerschein
Trotz aller Versuche der Hexen und Narren, die Zeremonie hinauszuzögern, vollzog der 54. Schmellenprinz Alexander I. seine letzte Amtshandlung: Mit der Fackel entzündete er das frostige Symbolwesen. Begleitet vom Knistern der Flammen und einem Feuerwerk, das den Himmel erhellte, löste sich der Schneemann langsam in Rauch auf.
Kehraus zwischen Tanz und Tränen
Im Anschluss verlagerte sich das närrische Geschehen vom Narrendorf ins Hasenhäusle am Forcheneck. Der Kehrausmaskenball verband ausgelassene Feierlaune mit stillen Abschiedsmomenten. Zwischen Tanzfläche und tränenreichen Umarmungen wurde noch einmal gelacht, gesungen und erinnert. Mit ihm endete auch die Regentschaft des Prinzen; seine spätere Entthronisierung setzte den offiziellen Schlusspunkt unter die Kampagne.

Schmellenprinz Alexander I. entzündet den Schneemann, womit das Ende der Fasnet aber auch das Ende des Winters gefeiert wird. Foto © Georg Kost
TCV-Präsident Marcel Wild sprach von einem bewegenden Abschluss und einer rundum gelungenen Kampagne. Man blicke auf zwei erfolgreiche Prunksitzungen, einen gut besuchten Kinderfasching in Mühlhausen und ein stimmungsvolles Faschingswochenende zurück.
Als Herausforderung nannte Wild die stetig steigenden Auflagen seitens der Behörden. Besonders das Umzugsteam sei dadurch stark gefordert gewesen. Hinzu komme, dass Genehmigungen und Rückmeldungen öffentlicher Stellen häufig erst sehr kurzfristig erfolgten – weniger die Vorgaben selbst als vielmehr der Zeitfaktor erschwere die ehrenamtliche Arbeit erheblich. Ohne die Unterstützung örtlicher und regionaler Unternehmen wie Benzinger, Kurz und das Busunternehmen Seitter wäre ein solches Veranstaltungswochenende kaum noch zu bewältigen.
Blick nach vorn
Mit dem Aschermittwoch kehrt nun Ruhe ein – zumindest vorübergehend. Kulissen müssen abgebaut, Requisiten gereinigt und vieles wieder verstaut werden. Danach heißt es für viele Verantwortliche: durchatmen und Kräfte sammeln. Wer es einrichten kann, nimmt sich einige Tage der Erholung. Fasnet bedeutet schließlich weit mehr als Feiern – sie verlangt Organisation, Verantwortung und unzählige ehrenamtliche Stunden.
Doch im Hintergrund laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste Kampagne. Am 13. November soll eine neue Prunksitzung den Auftakt bilden, und ein neuer Schmellenprinz wird die närrische Regentschaft übernehmen – dann, so hoffen die Narren des TCV, in der bis dahin sanierten neuen Gemmingenhalle.
Bis dahin bleiben Erinnerungen an lodernde Flammen, fröhliche Gesichter und eine lebendige Tradition, die Tiefenbronn seit Generationen prägt – ein farbenfroher Abschied, der Jahr für Jahr zeigt, wie eng Brauchtum, Gemeinschaft und Lebensfreude miteinander verwoben sind. < Fotogalerie >
