Woher kommen die Klinik-Defizite im Enzkreis?

Anfrage bringt erstaunliche Zahlen zutage

bei Georg Kost

Symbolfoto: infopress24de

ENZKREIS/NEUENBÜRG/MÜHLACKER, 03.02.2026 (pm) – Im Kampf um die Zukunft des Neuenbürger Krankenhauses bringt eine Kleine Anfrage des Kreisrats und FDP-Landtagsabgeordneten Erik Schweickert nun neue Zahlen zur Entwicklung der beiden RKH-Kliniken in Mühlacker und Neuenbürg zutage.
Schon bei einem Pressegespräch mit dem Neuenbürger Bürgermeister und Freie-Wähler-Kreisrat Fabian Bader Anfang Januar hatte Schweickert angekündigt, einen Vergleich von Soll- und Ist-Zahlen der Krankenhäuser bei der Landesregierung zu erfragen.
Die zwar von Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) unterschriebene aber in weiten Teilen auf Angaben der Enzkreis-Kliniken basierende Antwort birgt dabei einige Überraschungen. Denn während beispielsweise gegenüber dem Kreistag des Enzkreises noch Anfang Dezember auch anhaltende Terminabsagen als ein Grund für das drastisch steigende Defizit des Neuenbürger Krankenhauses genannt wurden, ist davon in der Antwort auf Schweickerts Anfrage nicht mehr viel zu sehen.
Terminabsagen beziehungsweise OP-Verschiebungen würden in einem Krankenhausbetrieb vereinzelt auftreten, lassen dort die RKH-Enzkreis-Kliniken in einer Stellungnahme wissen. Freie Kapazitäten würden durch „Umplanung beziehungsweise Ersatzbelegung bestmöglich genutzt, um Kapazitätsverluste zu minimieren“. Geringere Auslastung könne es bei saisonalen Schwankungen oder kurzfristigen Nachfrageänderungen geben. Konkrete Ausführungen zu wirtschaftlichen Folgen fehlen allerdings.
„Hat man das in der Anfrage bewusst nicht erwähnt, oder wurde das uns Kreisräten im Dezember nur als Ausrede präsentiert, um das horrende Defizit eher zu schlucken?“, fragen sich nun Schweickert, Bader und der ebenfalls um die Zukunft der Klinik kämpfende CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzende Günter Bächle.

Fakt ist zumindest, dass die Zahl der ambulant behandelten Fälle am Neuenbürger Krankenhaus im Gegensatz zum Pendant in Mühlacker in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen ist und sich von 2015 bis 2024 von über 16.000 Fällen auf unter 8.000 Fälle mehr als halbiert hat, während in Mühlacker eine Steigerung um rund 4.500 Fälle auf 18.548 Fälle erfolgte.
Als Grund dafür nennen die RKH-Kliniken jedoch unter anderem die Einführung der Medizinischen Versorgungszentren.
Und so ist gleichzeitig zu beobachten, dass die Zahl der stationären Fälle an beiden Krankenhäusern im gleichen Zeitraum annähernd stabil geblieben ist und sich auch im finanziell verlustreichen vergangenen Jahr im Rahmen der Planzahlen bewegt haben.
Die Zahl der durchschnittlich belegten Betten liegt ebenfalls im langjährigen Durchschnitt. Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund allerdings der Personalzuwachs, denn trotz gleichbleibender stationärer und sinkender ambulanter Fallzahlen stieg die Mitarbeiterzahl in Neuenbürg von 2015 bis 2025 um 31 Prozent von 163 auf 214 Personen. Zwischenzeitlich waren es 2023 sogar 232 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch in Mühlacker gab es zwar einen Personalaufwuchs, dort allerdings nur um 16 Prozent auf 532 Personen.

Dass in Neuenbürg in jüngster Vergangenheit also weniger Fälle mit dafür stark gestiegenem Personaleinsatz abgearbeitet werden, sehen die Kreisräte von FDP, Freien Wählern und CDU als eine Ursache für die stark steigenden Defizite. Das sei zwar keine alleinige Erklärung, aber „da kommen schnell sechs- bis siebenstellige Beträge zusammen, wenn der Anstieg der Mitarbeiterzahl wieder etwas zurückgefahren wird“, so deren einhellige Meinung.

Unterstützt wird die Theorie der Kreisräte dadurch, dass es dem Neuenbürger Krankenhaus von 2015 bis einschließlich 2020 mit nur einer Ausnahme (2019) gelang, ein besseres Rechnungsergebnis zu erreichen als laut Plan vorgesehen. Jahre, in denen das Personal zunächst konstant geblieben war. Erst 2020 begann ein deutlicher Personalaufwuchs und seit 2021 driften schließlich das wirtschaftliche Planergebnis und das tatsächliche Ergebnis immer weiter auseinander.
2024 wurde dann aus einem Plandefizit von rund 2,5 Millionen Euro ein tatsächliches Defizit von 5 Millionen Euro. Beinahe konträr auch hier die Entwicklung des Krankenhaus Mühlacker. Von 2020-2023 konnte man dort am Jahresende teilweise deutlich bessere Ergebnisse einfahren als ursprünglich geplant. Erst 2024 verfehlte man das Plandefizit von 3,9 Millionen Euro mit einem Endergebnis von minus 5 Millionen Euro wieder klar. Schon in den Jahren vor 2020 hatte Mühlacker anders als Neuenbürg (mit der genannten Ausnahme des Jahres 2019) die wirtschaftlichen Planergebnisse immer wieder teils weit verfehlt.

Darauf, dass sich die finanzielle Situation der beiden Enzkreis-Kliniken in naher Zukunft von alleine verbessern wird, macht wiederum der Sozialminister keine Hoffnung. So gehe mit dem Ende 2025 verabschiedeten Sparpaket zur Entlastung der Krankenkassen eine wirtschaftliche Belastung für die Kliniken im Land einher, auch wenn diese derzeit nicht konkret für die Enzkreis-Kliniken abgeschätzt werden könne. Deutlich macht er jedoch auch, dass man dem Enzkreis als Träger keine Vorgaben zur Krankenhausstruktur machen werde. Ziel des Landes sei es „mit den Beteiligten vor Ort Lösungsansätze zu finden“. Die regionalen Versorgungsstrukturen müssten „weiterentwickelt und sinnvoll optimiert werden.“
Auf diesem Pfad sehen sich auch Schweickert, Bader und Bächle. „Wir sehen uns darin bestärkt, die Struktur des Krankenhauses in den Blick zu nehmen und zu optimieren.“ Aktuell warten die drei noch auf die Ergebnisse einer weiteren Kleinen Anfrage. Ziel dieser ist eine Bewertung des Sozialministers, ob sich eine Spezialisierung als demenzsensibles Krankenhaus für Neuenbürg lohnen könnte.