
Vom Experiment zum eigenen Verein: Das Pforzheimer Hochschulorchester stellt sich neu auf. Foto Hochschule
PFORZHEIM, 13.10.2026 (rsr/pm) – Aus einer Idee ist ein eigenständiges Orchester mit klaren Zukunftsplänen geworden: Drei Jahre nach seiner Gründung geht das Pforzheimer Hochschulorchester den nächsten Schritt. Im März 2026 gründeten die Musikerinnen und Musiker einen gemeinnützigen Verein, der zum Wintersemester 2026 seine Arbeit aufnimmt. Mit dem neuen organisatorischen Fundament will das Ensemble seine musikalische Arbeit weiterentwickeln. Gleichzeitig sucht es Verstärkung, Fördermitglieder und außergewöhnliche Konzertorte. Mit dem Programm „Freedom“ steht bereits das nächste Konzert bevor: Am Montag, 9. November 2026, um 19.30 Uhr ist der Eintritt frei.
Neue Strukturen, mehr Eigenverantwortung
Bislang wurde das Orchester vom Verein der Freunde und Alumni der Hochschule Pforzheim (FAV) getragen und mitfinanziert. Mit der Vereinsgründung übernimmt das Ensemble nun mehr Verantwortung für seine eigene Zukunft. Prof. Dr. Ulrich Heinen, der das Orchester seit seiner Gründung betreut, wurde zum Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt. „Für uns ist das ein großer Schritt“, sagt er. Die neue Struktur ermögliche kurze Entscheidungswege und verteile die Verantwortung zugleich auf mehr Schultern.
Der FAV bleibt dem Orchester verbunden und hat weitere finanzielle Unterstützung zugesagt. Dennoch muss der Verein zusätzliche Mittel erschließen. Ziel ist es, die Konzerte weiterhin bei freiem Eintritt anzubieten und damit ein breites Publikum zu erreichen. „Aber Noten, Aufführungsrechte und nicht zuletzt unser professioneller Dirigent, der natürlich von seiner Arbeit leben möchte, kosten viel Geld“, erklärt Matthias Bender, Musikstudent in Mannheim und im Vorstand für die Finanzen zuständig. Der Verein setzt deshalb auf Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoring.
Musiker gesucht – und Orte mit besonderem Klang
Auch musikalisch möchte sich das Hochschulorchester weiterentwickeln. Vor jedem Konzert stehen drei intensive Probenwochenenden, an denen das Ensemble die Programme gemeinsam erarbeitet. Besonders bei den Streichern besteht noch Verstärkungsbedarf. „Unsere Bläserbesetzung ist ziemlich stabil, aber bei den Streichern können wir definitiv noch ordentlich Verstärkung brauchen“, sagt Katrin Thumser-Dauth, Violinistin und Schriftführerin im Vorstand.
Die gemeinsame musikalische Arbeit sei gerade dann reizvoll, wenn anspruchsvolle Stücke zunächst kaum spielbar erschienen und sich daraus schließlich ein gemeinsamer Orchesterklang entwickle. Neben neuen Musikerinnen und Musikern sind auch Fördermitglieder willkommen, die das Ensemble finanziell oder organisatorisch unterstützen.
Darüber hinaus sucht das Orchester nach ungewöhnlichen Konzertorten. Fabrikhallen, überdachte Innenhöfe oder große Treppenhäuser könnten mit ihrer besonderen Akustik neue musikalische Erfahrungen ermöglichen. „Wir freuen uns über Einladungen an interessante Locations“, sagt Nils Kohler, Medizintechnik-Student, Erster Trompeter und stellvertretender Vorsitzender des Vereins.
Interessierte Musikerinnen und Musiker, mögliche Fördermitglieder sowie Anbieter besonderer Spielorte können sich per E-Mail an orchester@hs-pforzheim.de wenden.
„Freedom“: Musik zwischen Unterdrückung und Freiheitswillen
Wie eng Musik und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sein können, zeigt das nächste Konzert am Montag, 9. November, um 19.30 Uhr. Unter dem Titel „Freedom“ widmet sich das Hochschulorchester dem Wunsch nach Freiheit und erinnert zugleich an zwei historische Wendepunkte: die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 und den Mauerfall 1989.
Im Zentrum des Programms steht die „Afro-American Symphony“ von William Grant Still aus dem Jahr 1930. Das Werk gilt als Meilenstein der amerikanischen Musikgeschichte: Es war das erste symphonische Werk eines afroamerikanischen Komponisten, das Eingang in die großen Konzertsäle und das Repertoire bedeutender Orchester wie der New York Philharmonic fand.
Dem gegenüber steht „Finlandia“ von Jean Sibelius. Die 1899 entstandene Tondichtung wurde zum musikalischen Ausdruck des finnischen Freiheitswillens unter russischer Herrschaft. Beide Werke beleuchten auf unterschiedliche Weise das Ringen um Selbstbestimmung und verleihen dem Konzerttitel eine historische und gesellschaftliche Dimension.
Gefördert wird der Konzertabend von der Joachim und Uta Volz-Stiftung für Kunst und Kultur. Der Eintritt ist frei.
