Narren übernehmen das Kommando

Rathaussturm erschüttert Wimsheim in närrischer Manier

bei Georg Kost

Machtwechsel im Rathaus Wimsheim. Hurrassel Präsident Andy Hummel (links) übernimmt während der närrischen Tage für Bürgermeister Mario Weisbrich. Foto: Georg Kost

WIMSHEIM, 14. 02. 2026 (rsr) – In Wimsheim hat der Wahlkampf eine närrische Generalprobe erlebt: Mit donnernden „Hu-Rassel“-Rufen, spitzer Zunge und einer gehörigen Portion Fasnetsfrechheit lieferten sich die Narren des WCV Hurrassel 1981 e. V. und Bürgermeister Mario Weisbrich ein turbulentes Vorspiel zur Bürgermeisterwahl am 22. März. Beim traditionellen Rathaussturm übernahmen die Maskenträger am Faschingssamstag symbolisch das Regiment – und verwandelten den Rathausplatz in ein närrisches Schlachtfeld voller Humor, Wortwitz und ausgelassener Heiterkeit.
Ein frisch aufgerichteter Narrenbaum, erwartungsfrohe Zuschauer und fröstelnde  Gardenmädchen bildeten die Kulisse für die närrische Machtübernahme. Selbst Regenschauer konnten die zahlreichen Schaulustigen nicht davon abhalten, dem bunten Spektakel beizuwohnen.

Strategisch geplant: Die Narren rücken an
Präsident Andreas Hummel begrüßte das närrische Volk mit sichtlicher Genugtuung und erklärte, die Zeit sei reif, im Rathaus wieder für Ordnung zu sorgen – selbstverständlich nach närrischen Maßstäben. Unterstützt von den 9er-Räten, Gardemädchen, Zäpflestrollen und Donnerdämonen kündigte er an, den „Mario vom Thron zu stoßen“.
Bereits im Vorfeld hatte Mario Weisbrich über den Social-Media-Kanal der Gemeinde gezweifelt, ob die Narren das Rathaus ohne Verstärkungen einnehmen könnten – ein Seitenhieb, den die Hurrassel mit sichtlicher Freude aufgriffen.
Der Sturm selbst folgte einer dramaturgisch ausgefeilten Choreografie. Musikalisch angeführt vom Musikverein Wurmberg, der seit Jahren unverzichtbarer Bestandteil des Wimsheimer Rathaussturms ist, geriet die närrische Offensive zum mitreißenden Spektakel, das die beschauliche Heckengäugemeinde symbolisch „in ihren Grundfesten erschütterte“.

Ein Herausforderer sorgt für Nervosität
Besondere Brisanz erhielt das Geschehen durch die Vorstellung eines „Gegenkandidaten“: Linus Fleck wurde von der Hurrassel-Fraktion bereits bei der Prunksitzung in der vergangen Woche als ernstzunehmender Bewerber um den Rathaussessel präsentiert.

Mario Weisbrich serviert angebliche Spezialitäten aus der Imbissküche  Foto: Georg Kost

Bürgermeister Weisbrich musste neidlos einräumen, gegen dieses Wahlprogramm komme man nur schwer an – er verspreche schließlich den Himmel auf Erden.
Andreas Hummel spitzte den Wahlkampf in gereimten Versen zu, während das Publikum begeistert mitging. Fleck sei der Mann, „der alle Gegner weg haut“, hieß es im närrischen Wortgefecht – eine humorvolle Spitze mit Blick auf die anstehende Bürgermeisterwahl.

Schlagabtausch mit Witz und Seitenhieben
Mario Weisbrich konterte souverän und kündigte angesichts drohender Amtsenthebung ein zweites Standbein in der Gastronomie an. Diese Vorlage nahmen die Narren dankbar auf: Ein Restaurant oder Imbiss in Wimsheim wäre durchaus willkommen – allerdings müsse der Bürgermeister zunächst seine Kochkünste unter Beweis stellen.
Es folgte eine Reihe närrischer Prüfungen. Beim Kartoffelschälen scheiterte der Rathauschef kläglich; beim Erraten von Obst und Gemüse zeigte er ebenfalls deutliche Defizite. Hummel kommentierte trocken, selbst das Wasser im Topf könnte dem Bürgermeister anbrennen.
Weisbrich revanchierte sich mit der Verkostung angeblicher Spezialitäten – Hummel überstand die Probe mit dem lakonischen Urteil, er habe gegessen und noch nicht gebrochen.

Schlüsselübergabe und Beginn der närrischen Regentschaft

Rathaussturm mit dem WCV Hurrassel auf dem Rathausplatz. Foto: Georg Kost

Unter lautem Beifall und klingendem Spiel wurde schließlich der Rathausschlüssel übergeben. Damit begann offiziell die Regentschaft der Hurrassel, die ankündigten, bis Mittwoch die Geschicke Wimsheims zu lenken. Heringsweck, Glühwein und weitere Leckereien sollten im närrisch dekorierten Rathaus für Stimmung sorgen.
Ein besonderer Höhepunkt folgte mit dem „Fasnetsburger“ – einer süß-salzigen Spezialität aus Hering, Marmelade und Berliner – sowie einem Gurkenschnaps, der dem entmachteten Bürgermeister eingeschenkt wurde.
Während Mario Weisbrich der Schrecken ins Gesicht geschrieben stand, feierte das Publikum die humorvolle Tortur mit sichtlichem Vergnügen.

Bonbonregen und Ausklang in der Radsporthalle
Mit einem Bonbonregen für die Kinder fand das Spekta­kel vor dem Rathaus seinen familiären Abschluss. Anschließend luden die Narren in die Radsporthalle ein, wo der traditionelle Kindermaskenball stattfand und die Hurrassel-Schar den närrischen Tag ausgelassen fortsetzte.

Tradition mit lokalem Herzschlag
Der Rathaussturm gilt als Höhepunkt der Wimsheimer Fasnet und als liebgewonnene Tradition, bei der kommunalpolitische Realität und närrische Fantasie aufeinandertreffen. Auch in diesem Jahr zeigte sich: Die Macht der Narren ist zeitlich streng begrenzt – ihre Spottlust jedoch treffsicher und von erstaunlicher Nachhaltigkeit.
Mit einem dreifachen „Hu-Rassel“ endete ein Spektakel, das Humor, Gemeinschaftssinn und lokale Identität auf unverwechselbare Weise vereinte. Wimsheim mag klein sein – doch wenn die Hurrassel zum Sturm blasen, steht die Welt für einen Tag Kopf.   <Zur Fotogalerie>