Mehr als ein Blick hinter die Kulissen

Tag des Busses zeigte die Welt hinter den großen Fahrzeugen

bei Georg Kost

Philipp Eberhardt, Geschäftsführer der Richard Eberhard GmbH in Engelsbrand, hatte zum Aktionstag eingeladen. Foto: Georg Kost

ENZKREIS/ENGELSBRAND (rsr) – Ein Bus ist im Straßenbild nichts Ungewöhnliches. Für die meisten Menschen beginnt und endet der Kontakt mit ihm allerdings beim Einsteigen, der Fahrt zum Ziel und dem Aussteigen. Wie viel Technik, Organisation und vor allem welche Menschen hinter einem funktionierenden Busbetrieb stehen, bleibt dagegen meist unsichtbar.
Beim „Tag des Busses“ am Samstag konnte sich das ändern. Auch die Richard Eberhard GmbH in Engelsbrand öffnete ihre Werkstatttore und lud dazu ein, den Omnibusbetrieb einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.

Der Betriebsstandort im Industrieweg wurde dabei zum Anlaufpunkt für alle, die sich für Busse, ihre Technik und die Arbeit dahinter interessierten. Statt die großen Fahrzeuge nur von außen zu betrachten, konnten die Besucher einen Blick hinter die Kulissen werfen. Bei der Betriebsbesichtigung wurde sichtbar, welche Abläufe und organisatorischen Aufgaben notwendig sind, damit Busse zuverlässig unterwegs sein können. Mitarbeiter standen für Fragen zur Verfügung und erklärten die verschiedenen Bereiche des Betriebs.

Der Aktionstag „Tag des Busses“ zeigte die Welt hinter den großen Fahrzeugen. Foto: Georg Kost

Besonders unmittelbar wurde das Busfahren bei der Aktion „Ran ans Lenkrad“. Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es sich anfühlt, einen großen Omnibus selbst zu steuern, konnte in Engelsbrand unter fachkundiger Anleitung von Falko Noack auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Aus dem bloßen Zuschauen wurde damit ein eigenes Erlebnis. Gleichzeitig vermittelte die Aktion einen Eindruck davon, welche Verantwortung mit dem Steuern eines solchen Fahrzeugs verbunden ist und wie deutlich sich ein Omnibus vom Fahren eines gewöhnlichen Pkw unterscheidet.

Genau darin lag die weitergehende Bedeutung des Aktionstags. Der „Tag des Busses“ im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche sollte den Bus nicht allein als Verkehrsmittel sichtbar machen, sondern auch die Menschen und Berufe dahinter. Denn ein funktionierender Busverkehr besteht nicht nur aus Fahrzeugen, Haltestellen und Fahrplänen. Damit ein Bus morgens seine Strecke aufnehmen und Fahrgäste zuverlässig ans Ziel bringen kann, braucht es Menschen in unterschiedlichen Funktionen.
In den Unternehmen arbeiten Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer ebenso wie Kraftfahrzeugmechatroniker, Bürokaufleute oder Kaufleute für Tourismus und Freizeit.

Die Besucher in Engelsbrand konnten damit einen Eindruck davon bekommen, wie vielfältig die Arbeitswelt eines Omnibusbetriebs ist – und zugleich, welche Voraussetzungen hinter dem scheinbar selbstverständlichen Angebot des öffentlichen Nahverkehrs stehen.

Denn der Hintergrund der Aktion ist durchaus ernst. Die Busbranche steht vor einer erheblichen Personalfrage. In Baden-Württemberg fehlten nach den vorliegenden Angaben rund 2500 bis 2600 Busfahrerinnen und Busfahrer, bundesweit wurde von rund 20.000 fehlenden Fahrkräften ausgegangen. Der Fachkräftemangel betrifft damit einen Bereich, der für das Funktionieren des öffentlichen Personennahverkehrs unmittelbar von Bedeutung ist.

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es sich anfühlt, einen großen Omnibus selbst zu steuern, konnte in Engelsbrand unter fachkundiger Anleitung von Falko Noack (l.) auf dem Fahrersitz Platz nehmen.  Foto: Georg Kost

Der Bedarf dürfte dabei perspektivisch eher steigen als sinken. Der angestrebte Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs erfordert zusätzliches Fahrpersonal. Gleichzeitig wird in den kommenden Jahren ein beträchtlicher Teil der heutigen Fahrerinnen und Fahrer das Rentenalter erreichen. Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Es sollen mehr Busse im öffentlichen Verkehr eingesetzt werden, während zugleich viele erfahrene Beschäftigte aus dem Berufsleben ausscheiden.

Für die Busunternehmen wird die Nachwuchs- und Fachkräftesicherung deshalb zu einer zentralen Aufgabe. Der „Tag des Busses“ bekommt vor diesem Hintergrund eine Aussage, die über einen Aktionstag mit großen Fahrzeugen und besonderen Erlebnissen hinausgeht. Er macht sichtbar, dass Mobilität nicht allein eine Frage von Infrastruktur und Fahrzeugen ist. Auch das Personal entscheidet darüber, ob ein Verkehrsangebot tatsächlich auf der Straße ankommt. Fehlen Fahrerinnen und Fahrer, kann selbst eine vorhandene Busflotte ihr Potenzial nicht vollständig entfalten.

Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) hatte deshalb bereits vor vier Jahren die Aktion „Ran ans Lenkrad“ und im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche den „Tag des Busses“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Busunternehmen als Arbeitgeber vorzustellen, auf die unterschiedlichen Berufsbilder aufmerksam zu machen und insbesondere für den Beruf der Busfahrerin und des Busfahrers zu interessieren, wie Michael Schmelzle vom WBO erläutert.

Auch Philipp Eberhardt, Geschäftsführer der Richard Eberhard GmbH in Engelsbrand, sah den Aktionstag vor diesem Hintergrund. Das Unternehmen präsentierte sich mit insgesamt 183 Fahrzeugen als moderner Omnibusbetrieb und gab den Besuchern Gelegenheit, die Arbeit hinter dem täglichen Busbetrieb unmittelbar kennenzulernen. Fragen konnten dort gestellt werden, wo sie entstehen – mitten im Betrieb und direkt an den Fahrzeugen.

So verband der „Tag des Busses“ in Engelsbrand zwei Ebenen: die Faszination für große Fahrzeuge und ihre Technik und die weit weniger sichtbare Arbeitswelt, die dahintersteht. Wer selbst einmal am Steuer eines Omnibusses Platz nehmen konnte, erlebte dabei nicht nur, wie sich ein solches Fahrzeug lenkt. Der Blick hinter die Kulissen machte zugleich deutlich, dass ein Busverkehr, der für die Fahrgäste selbstverständlich erscheint, auf qualifizierten Menschen beruht, die ihn täglich ermöglichen.