Hibbele Hoi statt Alaaf und Helau: Bei der TCV-Herrensitzung bleibt kein Auge trocken

Herrensitzung im Januar wirft Schatten voraus

bei Georg Kost

Ob die Tiefenrbonner „Ranzengarde“ bei der Neuauflage der Herrensitzung des TCV Tiefenbronn wieder dabei ist, ließen die Verantworltichen noch offen. Archivfoto: Georg Kost

TIEFENBRONN, 22.10.2026 (rsr) – Fünf Liter Kölsch auf dem Tisch, das Kostüm sitzt, die Lachmuskeln sind auf Betriebstemperatur und die Alltagssorgen haben Hausverbot: In Tiefenbronn rückt die Männerfasnet wieder in den Mittelpunkt! Am Samstag, 30. Januar 2027, lädt der Tiefenbronner Carnevalverein „Schmellenhopfer“ (TCV) zur zweiten Herrensitzung in die Gemmingenhalle. Pünktlich um 13.33 Uhr heißt es dann nicht Helau und Alaaf, sondern standesgemäß „Hibbele Hoi“! Auf die Herren aus Tiefenbronn und Umgebung wartet ein närrischer Nachmittag mit schwäbischem Humor, hochklassigem Gardetanz, Musik, Gesang und einer Samba-Show, die karnevalistisches Temperament nach Tiefenbronn bringen soll. Dazu gibt es reichlich Gelegenheit zum Schunkeln. Wer dabei sein möchte, sollte allerdings nicht trödeln: Die Restkarten werden knapp!

Einmal ist keinmal: Die Herren wollen es wieder wissen
Die Premiere im Februar 2020 ist offenbar noch in bester Erinnerung. Immer wieder seien Nachfragen nach einer Neuauflage gekommen, berichtet TCV-Präsident Marcel Wild. Die Männer aus Tiefenbronn und der Umgebung hätten deutlich gemacht, dass ihnen die Herrensitzung fehlt. Für den Verein war das Grund genug, die närrische Männerrunde wieder einzuberufen.

Die Devise lautet deshalb: Bewährtes beibehalten und die Gemmingenhalle erneut in eine Hochburg der Männerfasnet verwandeln. „Wir tun es wieder“, sagt Wild. Das Programm orientiert sich an der ersten Ausgabe. Sketche, Parodien, Gesang, Show und Tanz sollen für Abwechslung sorgen. Dazu kommen schwäbische Comedy, mitreißende Musik und reichlich Gelegenheit, den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen.

Eine Samba-Show mit Tänzerinnen und Trommlern soll südamerikanisches Temperament nach Tiefenbronn bringen. Archivfoto: Georg Kost

Eine wichtige Regel gibt es allerdings: Kostümpflicht! Wer also glaubt, mit Hemd, Jeans und dem üblichen Sonntagsgesicht durch den Nachmittag zu kommen, sollte noch einmal den Kleiderschrank durchforsten. Ob Superheld, Stammtischstratege oder wandelnde Bierflasche – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Hauptsache, das Kostüm sitzt und die gute Laune stimmt.

Auch für die flüssige Begleitung ist gesorgt. Im Kartenpreis ist bereits ein Fünf-Liter-Fass Kölsch enthalten. Das dürfte die Tischgemeinschaft erfreuen. Ob es bis zum Ende des Programms reicht, hängt allerdings nicht nur vom Fass, sondern auch von der Zahl der Durstigen ab. Und wer beim Schunkeln kräftig mitsingt, bekommt bekanntlich schneller einen trockenen Hals.

Die Fliedergarde kommt erstmals nach Tiefenbronn
Auf der Bühne wird es sportlich, schwungvoll und bisweilen akrobatisch. Nach den bisherigen Planungen eröffnen die Trommler und Pfeiffer aus Mühlacker das Programm. Anschließend soll die Fliedergarde der Mühlburger Carnevals Gesellschaft (MCG) ihr Können zeigen. Für die Formation ist es der erste Auftritt in Tiefenbronn. Damit bekommt die Herrensitzung eine besondere Premiere: Wenn die Tänzerinnen und Tänzer loslegen, dürfte so manchem Zuschauer schon beim Zuschauen schwindelig werden.

Die Mühlburger Carnevals Gesellschaft ist für ihre Erfolge im karnevalistischen Tanzsport bekannt. Hinter den präzisen Choreografien, schnellen Schrittfolgen und spektakulären Figuren stecken intensives Training, Kondition und viel Disziplin. Glitzernde Kostüme sind schließlich nur die halbe Miete. Wenn auf der Bühne Beine fliegen und Hebefiguren gelingen, muss jeder Handgriff sitzen. Die Herren im Saal dürfen sich also auf Tanzsport freuen, bei dem nicht nur die Pailletten funkeln.

Spitzensport wird bei Marsch- und Schautänze der Tanzgarden geboten. Archivfoto: Georg Kost

Auch das Tanzpaar Lavinia und Linus von der MCG soll das Publikum begeistern. Beide haben sich bei Wettbewerben auf süddeutscher und deutscher Ebene erfolgreich behauptet. Tanzmajor Linus kann ebenfalls Erfolge bei süddeutschen Meisterschaften vorweisen. Da dürfte es auf der Bühne ordentlich rundgehen. Und während die Aktiven ihre Figuren drehen, bleibt den Herren hoffentlich genügend Zeit, den Mund wieder zuzuklappen.

Für eine weitere große Portion Show sorgt die Viktoriagarde des SV Knielingen. Die Formation umfasst nach den vorliegenden Angaben etwas mehr als 50 Tänzerinnen und Tänzer und ist mit Marsch- und Schautänzen bei Wettbewerben erfolgreich. Mehrere Meistertitel stehen für die Erfahrung der Gruppe. Wenn diese Truppe in der Gemmingenhalle aufmarschiert, wird es auf der Bühne lebhaft. Und wer danach behauptet, Tanzen sei kein Sport, darf sich gerne einmal selbst an einer solchen Choreografie versuchen.

Die Kächeles, Leibssle und die schwäbische Saugosch drehen auf
Nach so viel Tanzsport müssen auch die Lachmuskeln ran. Dafür stehen die Kächeles, das schwäbische Comedy-Duo, das mit unverfälschtem Dialekt und treffsicherer Situationskomik den ganz normalen Wahnsinn des Alltags aufs Korn nimmt. Ihre beiden Figuren sorgen für Verwicklungen, Missverständnisse und pointierte Wortwechsel. Dabei geht es um die kleinen und großen Tücken des Zusammenlebens. Da dürfte sich der eine oder andere Herr am Tisch durchaus wiedererkennen. Ob er das später zugibt, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Auch Eckard Grauer alias Leibssle nimmt das schwäbische Alltagsleben gründlich unter die Lupe. Beim täglichen Schlängeln durch die Schluchten des schwäbischen Alltags wird dem kauzigen Binnenphilosophen immer wieder klar: Im Ländle hängt so manches schäps! Da gerät der Haussegen mit dem Mannesstreben aneinander, Bargeld ringt mit dem Bankauszug und der Wasen konkurriert mit der Wiesn. Wenn dann noch Gene und Gender aufeinanderprallen und die Einwegflaschenschraubverschlussanbindungspflicht dem guten alten Kronkorken den Kampf ansagt, ist das schwäbische Durcheinander perfekt.

Leibssle nimmt diese Widersprüche mit scharfer Zunge und klarem Blick auseinander. Er grantelt und gründelt, sinniert und schwätzt, analysiert und philosophiert – bis er sich mit gewitzten Wendungen aus seinen eigenen Denkfallen herausmanövrieren muss. Kabarettist, Musiker und Autor Eckard Grauer präsentiert seine Kultfigur als Ein-Mann-Spektakel zwischen Kabarett, Comedy und Theater. Schwäbischer Wortwitz, absurde Gedankengänge und treffsichere Alltagsbeobachtungen dürften dabei für reichlich Lachstoff sorgen.

Ebenfalls wieder mit von der Partie ist Markus Zipperle, die schwäbische „Saugosch“. Seit mehr als zwei Jahrzehnten tourt er durch das Ländle und unterhält sein Publikum mit Wortwitz und schwäbischer Schlagfertigkeit. Zipperle ist nicht nur Comedian, sondern auch Schauspieler, Regisseur, Sänger und Synchronsprecher. An sprachlichen Möglichkeiten dürfte es ihm also kaum mangeln.

Wenn schwäbische Eigenheiten, alltägliche Beziehungsfallen und die kleinen Schwächen des Mannes auf die Schippe genommen werden, ist beste Unterhaltung angesagt. Und sollte der Nachbartisch lauter lachen als der eigene, besteht kein Grund zur Sorge: Das ist bei einer Herrensitzung kein Wettbewerb. Wobei sich das unter Umständen noch ändern könnte.

Bei der Herrensitzung des TCV Tiefenbronn herrscht Kostümpflicht. Archivfoto: Georg Kost

Schunkeln am Rhein, Samba in Rio und eine Überraschungsband
Wenn die Bauernkapelle Stadelbach 1831 des Musikvereins Mühlhausen aufspielt, kommt Bewegung in die Gemmingenhalle. Dann wird geschunkelt, mitgesungen und im Takt gewippt. Spätestens wenn sich die ersten Reihen synchron zur Musik bewegen, dürfte klar sein: Die Männerfasnet hat ihre eigene Choreografie – und die muss nicht einmal einstudiert werden.
Doch der TCV hat noch mehr im närrischen Gepäck. Eine Samba-Show mit Tänzerinnen und Trommlern soll südamerikanisches Temperament nach Tiefenbronn bringen. Statt rheinischer Gemütlichkeit heißt es dann: Bühne frei für heiße Rhythmen, flotte Schritte und mitreißende Trommelklänge. Ein kleiner Ausflug nach Rio, ganz ohne Flugticket, Kofferpacken und Sonnenbrand.
Eine weitere Besonderheit hat TCV-Präsident Marcel Wild angekündigt: Jeder Programmpunkt soll von einem Nummerngirl vorgestellt werden.

Restkarten werden knapp – sechs Herren an einem Tisch
Schwäbischer Witz, Gardetanz, Samba, Musik und ein Fünf-Liter-Fass Kölsch inklusive: Bei der zweiten Herrensitzung des TCV dürfte Langeweile schlechte Karten haben. Wer einen Nachmittag lang lachen, feiern und die Männerfasnet in geselliger Runde genießen möchte, sollte sich umgehend um Karten kümmern. Nach Angaben des Vereins sind nur noch wenige Restkarten verfügbar.

Üblicherweise bietet der TCV Tische für sechs Personen an. Einzelne Plätze sind deshalb nicht automatisch erhältlich. Ausnahmen sind zwar möglich, können vom Verein jedoch nicht garantiert werden. Wer mit einer kleineren Gruppe oder allein dabei sein möchte, sollte direkt beim Veranstalter nachfragen, ob sich noch eine passende Möglichkeit ergibt. Vielleicht findet sich ja noch ein freier Platz in einer närrischen Tischgemeinschaft – samt neuen Bekanntschaften und ausreichend Gesprächsstoff. Kartenbestellung per WhatsApp mit vollständiger Namensangabe sowie E-Mail-Adresse an 01523-7002772.

Die Herrensitzung beginnt am Samstag, 30. Januar 2027, um 13.33 Uhr in der Gemmingenhalle Tiefenbronn. Kostüme sind Pflicht. Im Kartenpreis ist ein Fünf-Liter-Fass Kölsch enthalten. Wer mitfeiern möchte, sollte nicht warten, bis die letzte Pappnase vergeben ist.