
Frostige Klangbilder und strahlende Orchesterfarben präsentierte der Musikverein Neuhausen bei seinem Konzert Eiswelten. Foto Georg Kost
NEUHAUSEN, 18.01.2026 (rsr) – Mit einem eindrucksvoll gestalteten Konzertabend hat der Musikverein Neuhausen am Samstag die Schwarzwaldhalle Schellbronn in eine musikalische Eislandschaft verwandelt. Unter dem Motto „Eiswelten“ entfaltete sich ein facettenreiches Programm, das kalte Klangfarben, dramatische Spannungsbögen und zugleich warme, optimistische Akzente miteinander verband. Das Konzert markierte den Auftakt des Jubiläumsjahres „150 Jahre Musikkapelle und 100 Jahre Musikverein Neuhausen“ und setzte dafür ein künstlerisch überzeugendes Ausrufezeichen.
Den stimmungsvollen Einstieg vor rund 270 Gästen übernahm das gemeinsame Jugendorchester „Bietls“, getragen von jungen Musikerinnen und Musikern aus Hohenwart, Steinegg und Neuhausen. Als fester Bestandteil der Konzertabende des Musikvereins bildet dieses Ensemble seit Jahren das Fundament der Nachwuchsarbeit und damit den musikalischen Grundstein für die nachhaltige Qualität des jeweiligen Hauptorchesters.
Das Jugendorchester führte klanglich sicher und mit spürbarer Spielfreude in das thematische Spannungsfeld des Abends ein und bereitete den Boden für das nachfolgende Programm. Hier präsentierte sich das Blasorchester des Musikvereins Neuhausen als ausgewogener, farbenreicher Klangkörper, wobei die Anmoderation zu den jeweiligen Musikstücken in den bewährten Händen von Julia Maurer lag.
Mit etwas mehr als 40 Musikerinnen und Musikern – von Piccolo- und Querflöten, Oboe, Klarinetten, Fagott, Bassklarinette und Saxofonen über das umfangreiche Blechregister bis hin zu Bass, Schlagwerk und Percussion – entwickelte sich ein orchestraler Gesamtklang, der stellenweise an sinfonische Wucht ebenso erinnerte wie an den geschmeidigen Drive einer Big Band. Präzise Registerarbeit, brillierende Solopassagen und eine spürbare innere Geschlossenheit prägten den Konzertverlauf.
Für die musikalische Dramaturgie zeichnete Dirigent Ralph Gundel verantwortlich, dem es gelang, ein ebenso stimmiges wie abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen. Seine klare Zeichengebung und sein feines Gespür für Dynamik und Balance ermöglichten es dem Orchester, die unterschiedlichen Charaktere der Werke überzeugend herauszuarbeiten.






Bereits der Auftakt setzte mit der Titelmusik aus der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ einen ersten Glanzpunkt. Die von Ramin Djawadi komponierte und von Frank Bernaerts arrangierte Musik entfaltete ihre Wirkung vor allem durch das dominante Blech, das dem Saal eine monumentale, beinahe archaische Atmosphäre verlieh und früh einen ersten Höhepunkt des Abends markierte.
Mit „Man in the Ice“ von Otto M. Schwarz wandte sich das Programm anschließend einer eindringlichen musikalischen Erzählung zu. Das Werk greift den Fund der rund 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi auf, die im September 1991 mitsamt ihrer Ausrüstung vom Eis freigegeben wurde. In dichten Klangflächen, spannungsgeladenen Steigerungen und zurückgenommenen, fast fragilen Passagen ließ das Orchester diese Geschichte musikalisch wieder auferstehen und beeindruckte durch eine intensive, ausdrucksstarke Interpretation.
Einen weiteren klanglichen Kontrast bot die Musik aus dem Film „Der Polarexpress“. Die Komposition von Alan Silvestri und Glen Ballard, arrangiert von Jerry Brubaker, verlangte dem Orchester große Flexibilität ab. Getragene Einleitung, rasante rhythmische Passagen und leise, einfühlsame Momente gingen nahtlos ineinander über und machten die Wandlungsfähigkeit des Ensembles eindrucksvoll hörbar.
Den Abschluss des ersten Konzertteils bildete die Popballade „All of Me“ von John Legend in einem Arrangement von Peter Riese. Mit warmem Klang und geschmeidiger Linienführung setzte das Orchester einen bewusst ruhigeren Akzent, der das Publikum mit hörbarer Zustimmung in die Pause entließ.
Der zweite Teil begann mit einer musikalischen Reise durch die Alpen. „The Glacier Express“ von Larry Neeck zeichnete die Fahrt der berühmten Schweizer Gebirgsbahn von St. Moritz nach Zermatt nach. Bildhafte Melodien und wechselnde Tempi ließen Panorama, Bewegung und Weite lebendig werden – Assoziationen, die an das ebenfalls alpine Klangbild von Rossano Galantes „Mount Everest“ erinnerten.
Mit „Into the Joy of Spring“ von James Swearingen vollzog sich schließlich der Übergang vom frostigen Winter hin zu aufkeimender Frühlingsfreude. Pulsierende Rhythmen und helle Klangfarben beschrieben den Wandel der Jahreszeiten und sorgten für eine spürbar optimistische Stimmung im Saal.
Den schwungvollen Schlusspunkt setzte „Sunny“ von Bobby Hebb in der Bearbeitung von Jérôme Naulais. Hier zog das Orchester noch einmal alle Register und präsentierte sich im Stil einer Big Band mit rhythmischer Präzision, sattem Sound und großer Spielfreude – ein Finale plus Zugabe, das den Abend beschwingt ausklingen ließ.
Mit diesem Konzert bewies der Musikverein Neuhausen eindrucksvoll seine musikalische Leistungsfähigkeit und stellte zugleich die erfolgreiche Verzahnung von engagierter Nachwuchsarbeit und anspruchsvoller Orchestermusik unter Beweis. Das Jubiläumsjahr begann damit nicht nur feierlich, sondern auch künstlerisch auf hohem Niveau.
