Ein Schaf im Wolfspelz sorgt für Spannung und Schmunzeln

bei Georg Kost

Bei den Musiktagen des Musikvereins Mühlhausen gastierte am Mittwoch das Jungen Theater Pforzheim mit dem Stück „Der Wolfspelz“. Foto: Musikverein Mühlhausen

TIEFENBRONN- MÜHLHAUSEN, 21.10.2026 (rsr) – Brombeeren sind einfach unwiderstehlich. Das findet zumindest Bellwidder Rückwelzer, ein Schaf mit einer großen Leidenschaft für die süßen Früchte. Dumm nur, dass diese ausgerechnet im Wald wachsen, wo hungrige Wölfe lauern. Doch Bellwidder lässt sich davon nicht abschrecken. Mit einer selbst genähten Verkleidung wagt es sich mitten ins Wolfsrudel. Was folgt, ist eine Geschichte voller Witz, Spannung und überraschender Erkenntnisse.

Der Kindernachmittag mit dem Jungen Theater Pforzheim war bereits im Vorfeld ausverkauft. Bei den Musiktagen des Musikvereins Mühlhausen gastierte das Ensemble am Mittwoch mit dem Stück „Der Wolfspelz“ im Kollmar & Jourdangebäude. Die Geschichte entführte das junge Publikum in eine fantasievolle Welt, in der nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Geschichte nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Sid Sharp nimmt ihren Anfang mit Bellwidders ungewöhnlichem Plan. Als Schaf hat es im Wald wenig zu lachen, denn die Wölfe gehören zu seinen natürlichen Feinden. Also näht sich Bellwidder kurzerhand einen Wolfspelz und gibt sich als eines der ihren aus. Tatsächlich wird das vermeintliche Wolfskind freundlich in die Gemeinschaft aufgenommen.

Doch mit der Zeit wird es schwieriger, die eigene Identität hinter der Verkleidung zu verbergen. Bellwidder merkt, dass es nicht allein darum geht, unerkannt zu bleiben. Auch die vermeintlich gefährlichen Wölfe haben ihre Geheimnisse. Hinter den Masken verbergen sich Eigenschaften und Gefühle, die sich nicht ohne Weiteres mit den üblichen Vorstellungen vereinbaren lassen.

Mit Humor und Spannung erzählt „Der Wolfspelz“ von Mut, Freundschaft und dem Wunsch, dazuzugehören. Dabei geht es um mehr als ein Schaf, das sich unter Wölfe mischt. Das Stück stellt die Frage, wie schnell Vorurteile entstehen und wie wenig man manchmal über andere weiß, solange man ihnen nicht wirklich begegnet. Bellwidders Abenteuer zeigt, dass sich ein zweiter Blick lohnen kann – und dass es Mut braucht, sich nicht dauerhaft hinter einer Verkleidung zu verstecken.

Die Inszenierung wurde von Swantje Willems und Angelique Erhard dramatisiert; die deutsche Übersetzung stammt von Alexandra Rak. Die literarische Vorlage von Sid Sharp war 2024 für den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch nominiert. Die Geschichte verbindet eine fantasievolle Handlung mit Themen, die Kinder ebenso beschäftigen wie Erwachsene: Freundschaft, Zusammenhalt und die Frage, ob man so angenommen wird, wie man wirklich ist.