
Ottilie „Tilly“ Eiss feiert heute im Kreis ihrer Kinder, Enkeln und Urenkeln und weiteren Angehörigen ihren 100. Geburtstag. Foto Georg Kost
NIEFERN-ÖSCHELLBRONN, 18.07.2026 (rsr) – Ein ganz besonderes Jubiläum wird heute im Johanneshaus in Niefern-Öschelbronn gefeiert: Ottilie Eiss, die von ihrer Familie und vielen Wegbegleitern liebevoll „Tilly“ genannt wird, vollendet am heutigen 18. Juli ihr 100. Lebensjahr.
Gemeinsam mit ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln und weiteren Angehörigen begeht sie diesen außergewöhnlichen Ehrentag im Kreis ihrer Familie.
Als Ottilie Eiss am 18. Juli 1926 in Leonberg geboren wurde, befand sich Deutschland in einer Zeit des Aufbruchs. Die Jahre der Weimarer Republik brachten nach den schwierigen Nachkriegszeiten wieder Hoffnung und wirtschaftliche Stabilität. 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei und fand seinen Platz in der internationalen Staatengemeinschaft zurück. Radio war damals eine technische Neuerung, Automobile waren noch selten, und an Fernsehen, Computer oder gar Smartphones war nicht zu denken. In den vergangenen hundert Jahren hat Ottilie Eiss eine Entwicklung erlebt, wie sie wohl keine Generation zuvor in dieser Geschwindigkeit erfahren hat – vom Leben ohne Fernsehen und Telefon bis in das digitale Zeitalter.
Gemeinsam mit ihren vier Geschwistern wuchs sie in Leonberg auf. Ihre Kindheit und Jugend wurden von den Entbehrungen der Kriegsjahre geprägt. Schon früh lernte sie, Verantwortung zu übernehmen, mit anzupacken und das Beste aus schwierigen Situationen zu machen – Eigenschaften, die sie ihr ganzes Leben begleiten sollten.
Nach ihrer Schulzeit absolvierte sie in Stuttgart eine Ausbildung zur Verkäuferin. Im Jahr 1950 heiratete sie ihren Ehemann Heinz. Gemeinsam bauten sie sich im Leonberger Stadtteil Ramtel ein Eigenheim auf, das über viele Jahrzehnte zum Mittelpunkt des Familienlebens wurde. Dort wuchsen ihre drei Kinder – ein Sohn und zwei Töchter – auf. Heute gehören vier Enkelkinder und drei Urenkel zur großen Familie.
Mit viel Liebe kümmerte sich Ottilie Eiss um Haus und Garten. Beides war weit mehr als nur ihr Zuhause – es war ein Ort der Begegnung für die ganze Familie. Besonders die Samstage waren fest reserviert: Gemeinsam wurden die Spiele des VfB Stuttgart verfolgt, dazu gab es den selbst gebackenen Kuchen der Hausherrin. Diese Nachmittage wurden zu einer liebgewonnenen Familientradition, bei der Jung und Alt zusammenkamen. Auch gemeinsame Urlaube und Reisen gehörten zu den schönen Erinnerungen, die bis heute verbinden.
Ihr ganzes Leben war der Familie gewidmet. Sie kochte, backte, organisierte Familienfeste, betreute ihre Enkelkinder und war jederzeit da, wenn Rat oder Hilfe gebraucht wurden. Für ihre Angehörigen war sie stets eine verlässliche Stütze und das Herz der Familie – bescheiden, fürsorglich und mit großem Engagement.

Zu ihrem heutigen Ehrentag überbrachte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Niefern-Öschelbronn, Erik Schweigert, die Glückwünsche der Gemeinde sowie des Landes Baden-Württemberg. Foto Georg Kost
Neben vielen glücklichen Momenten musste sie auch schmerzliche Verluste verkraften. Im Jahr 2016 verstarb ihr Ehemann Heinz im Alter von 91 Jahren. Nur drei Jahre später folgte der überraschende Tod ihres Sohnes Gerold, der im Alter von 68 Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Trotz dieser schweren Schicksalsschläge bewahrte sie ihre Stärke und ihre positive Lebenseinstellung.
2017 zog Ottilie Eiss in das Johanneshaus nach Niefern-Öschelbronn, um in der Nähe ihrer Töchter Gaby und Claudia zu leben. Sieben Jahre wohnte sie dort im Betreuten Wohnen, bevor sie 2024 auf die Pflegestation wechselte. Auch dort ist sie nie allein. Ihre Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel besuchen sie regelmäßig und sorgen dafür, dass sie bis heute die Geborgenheit ihrer Familie spüren kann – ganz so, wie sie selbst über viele Jahrzehnte für ihre Liebsten da war.
Zu ihrem heutigen Ehrentag überbrachte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Niefern-Öschelbronn, Erik Schweigert, die Glückwünsche der Gemeinde sowie des Landes Baden-Württemberg. Gemeinsam mit ihrer Familie genießt Ottilie „Tilly“ Eiss diesen besonderen Tag und blickt auf ein Jahrhundert voller Erinnerungen zurück.
Wer auf 100 Lebensjahre zurückblicken kann, hat Geschichte nicht nur erlebt, sondern mitgestaltet. Ottilie Eiss hat Kriegsjahre und Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder, die deutsche Wiedervereinigung und den Weg in das digitale Zeitalter miterlebt. Vor allem aber hat sie mit ihrer Herzlichkeit, ihrer Fürsorge und ihrem unermüdlichen Einsatz für ihre Familie Spuren hinterlassen, die weit über diesen besonderen Geburtstag hinausreichen.
