Dem Klimawandel begegnen: Landwirte setzen auf Humusaufbau und mehr Artenvielfalt

Feldtag auf dem Naturhof Philipp zeigt Wege für eine klimaresiliente Landwirtschaft

bei Georg Kost

Beim Feldtag auf dem Naturhof Philipp wurden Wege für eine klimaresiliente Landwirtschaft aufgezeigt. Christian Lutz von der Bioland-Beratung Baden-Württemberg (2.v.l) gab Ratschläge. Foto: Georg Kost

NEUHAUSEN, 29.05.2026 (rsr) – Wie kann sich die Landwirtschaft auf zunehmende Trockenperioden, Starkregenereignisse und andere Folgen des Klimawandels einstellen? Antworten darauf suchten zahlreiche Landwirte, Berater und Fachleute beim Feldtag auf dem Naturhof Philipp in Neuhausen. Im Mittelpunkt standen theoretische als auch praktische Ansätze zum Humusaufbau und zur Förderung der Artenvielfalt – zwei Themen, die auf vielen Betrieben zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Gastgeber Gerd Philipp, der gemeinsam mit seiner Familie den Naturhof Philipp bewirtschaftet, stellte seinen Betrieb erneut als Plattform für den fachlichen Austausch zur Verfügung. Der Hof beteiligt sich sowohl am HumusKlimaNetz als auch am Biodiversitätsnetz Baden-Württemberg und dient damit als Demonstrationsbetrieb für neue Wege in der Landwirtschaft.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Regionalkoordinatorin Jutta Ortlepp vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft das Projekt HumusKlimaNetz vor. Sie erläuterte, dass auf bundesweit 150 Betrieben untersucht werde, wie sich Humus langfristig erhalten und aufbauen lasse. Humusreiche Böden seien nicht nur fruchtbarer, sondern könnten auch deutlich mehr Wasser speichern und Kohlenstoff binden. Gerade mit Blick auf die zunehmenden Wetterextreme gewinne dieser Aspekt an Bedeutung. Um belastbare Erkenntnisse zu gewinnen, würden auf den Betrieben unterschiedliche Maßnahmen erprobt und durch regelmäßige Bodenuntersuchungen wissenschaftlich begleitet.

Wie diese Maßnahmen konkret aussehen können, zeigte anschließend Christian Lutz von der Bioland-Beratung Baden-Württemberg. Als Betriebsbegleiter im HumusKlimaNetz lenkte er den Blick auf das Kleegras, das als wichtiger Baustein für den Humusaufbau gilt. Durch sein ausgeprägtes Wurzelwachstum und die hohe Biomasseproduktion werde organische Substanz im Boden angereichert. Gleichzeitig versorgen die Leguminosen nachfolgende Kulturen mit Stickstoff. Auf den Versuchsflächen des Naturhofes Philipp werde derzeit untersucht, wie sich unterschiedliche Nutzungsformen wie Schnittnutzung, Beweidung oder Mulchen auf die Humusbildung auswirken.

Direkt auf den Feldern erläuterte Lutz zudem die Bedeutung von Untersaaten. Diese würden gemeinsam mit der Hauptkultur angebaut und sorgten dafür, dass der Boden möglichst dauerhaft bedeckt bleibe. Dadurch könne Erosion vermindert, die biologische Aktivität gefördert und die Humusbildung unterstützt werden. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die verschiedenen Mischungen vor Ort zu begutachten und ihre Erfahrungen auszutauschen.

Bei der Feldrundfahrt wurde deutlich, wie Forschung, Beratung und landwirtschaftliche Praxis ineinandergreifen.  Foto: Georg Kost

Dass neben dem Humusaufbau auch die Artenvielfalt eine wichtige Rolle spielt, verdeutlichte Wenzel Steinhilper vom Regierungspräsidium Karlsruhe. Er stellte die Arbeit des Biodiversitätsnetzes Baden-Württemberg vor und erklärte, wie landwirtschaftliche Betriebe bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt unterstützt werden. Ziel sei es, praxistaugliche Lösungen zu entwickeln und den Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtschaft, Beratung und Wissenschaft zu stärken.

Auf dem Naturhof Philipp sind bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt worden. So wächst Getreide teilweise in weiter Reihe zusammen mit blühenden Untersaaten. Hinzu kommen Niederwild- und Blühmischungen auf stillgelegten Flächen. Während der Feldrundfahrt wurde sichtbar, wie solche Strukturen Lebensräume für Insekten, Feldvögel und andere Arten schaffen können.

Die wissenschaftliche Perspektive brachte Hannah Weinläder vom Institut für Angewandte Agrarforschung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen ein. Anhand aktueller Forschungsergebnisse zeigte sie auf, welche Wirkung Biodiversitätsmaßnahmen entfalten können. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass solche Flächen zwar einen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche beanspruchen, ihre ökologische Wirkung jedoch häufig weit über ihre eigentliche Größe hinausreiche.

Der Naturhof Philipp bewirtschaftet rund 150 Hektar Ackerfläche. Seit 2017 wurden Teile des Betriebes schrittweise auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Heute gehören Dinkel, Sommerhafer, Roggen, Ackerbohnen, Erbsen und Kleegras zu den wichtigsten Kulturen im ökologischen Ackerbau. Ergänzt wird der Betrieb durch eine konventionelle Pensionspferdehaltung mit extensiv genutztem Dauergrünland.

Der Feldtag machte deutlich, dass Humusaufbau und Biodiversität längst keine abstrakten Zukunftsthemen mehr sind. Vielmehr werden sie auf landwirtschaftlichen Betrieben zunehmend als konkrete Instrumente verstanden, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Auf dem Naturhof Philipp wurde sichtbar, wie Forschung, Beratung und landwirtschaftliche Praxis dabei ineinandergreifen können.