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ENZKREIS, 05.01.2026 (pm) – Nicht das Murmeltier, dafür aber die Hinweise über verspätete oder ausgefallene Züge grüßten Bahnreisende in der Region auch ihm Jahr 2025 praktisch täglich, teilt der FDP-Enzkreisabgeordnete und Sprecher des Aktionsbündnisses „Qualitätsoffensive für die Residenzbahn“, Erik Schweickert mit. Wie schon in den vergangenen Jahren hatte der Abgeordnete beim Verkehrsministerium Daten zur Pünktlichkeit und zur Zuverlässigkeit des Zugverkehrs auf der Residenzbahn abgefragt. Das Ergebnis, so Schweickert, sei „so ernüchternd wie erwartbar.
Die Pünktlichkeiten der AVG und der ehemaligen SWEG-Tochter SBS beziehungsweise jetzt DB Regio bewegen sich auf vergleichbarem Niveau wie 2024. Bei Arverio geht es sogar wieder etwas bergab. Von Verbesserungen ist jedoch keine Spur. Stattdessen lässt die Verschiebung von Stuttgart 21 erwarten, dass der Ist-Zustand noch länger erhalten bleibt“.
Daran, dass sich noch vor dem Abschluss des Großprojekts im Stuttgarter Bahnknoten etwas zum Guten wendet, glaubt mittlerweile auch der langjährig für den Bahnverkehr engagierte Liberale nicht mehr. In die Reihen der Skeptiker reiht sich nun zudem auch der grüne Landesverkehrsminister Winfried Hermann, der kurz vor Ende seiner Amtszeit wenig Hoffnung auf Verbesserungen macht. Scharfe Kritik übt dieser vor allem an der Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn. So erklärt Hermann in seiner Antwort an Schweickert, dass das Land zwar von den Eisenbahnverkehrsunternehmen die Einhaltung vertraglich festgelegter Ziele erwarte und auch Anreize setze, diese zu erreichen, allerdings sei die Baustellenplanung der DB InfraGo „auf der Residenzbahn sehr unbefriedigend“. Immer wieder gebe es massive Verspätungen und Umleitungen, weil Baustellenfahrpläne nicht hinreichend geplant wurden. Zudem seien auch 2026 Umleitungen, erhöhte Streckenauslastungen und reduzierte Reisegeschwindigkeiten mit entsprechenden Folgen für die Linien auf der Residenzbahn vorgesehen. Kritik an der schlechten Kommunikation hatte es sowohl von Seiten des Verkehrsministeriums als auch Schweickerts bereits in der Vergangenheit immer wieder gegeben.
Erst vor wenigen Monaten hatte beispielsweise Hermanns Stellvertreterin Elke Zimmer auf Nachfrage Schweickerts im Landtag mitgeteilt, dass es zwar Verbesserungen gegeben habe, aber trotzdem noch viele Baustellen zu spät angekündigt werden. Die erneute Verschiebung des Starts von Stuttgart 21 und im Zuge dessen auch der vom Land parallel geplanten großen Fahrplanumstellung weckt jedoch den Eindruck, dass die Geduld im Stuttgarter Ministerium mittlerweile aufgebraucht ist.
Ein Blick in die konkreten Zahlen zeigt, dass vor allem eine Fahrt mit dem von Arverio betriebenen RE 1, trotz interner Verbesserungen bei der Personal- und Fahrzeugverfügbarkeit im gesamten bedienten Netz teilweise zu einer reinen Lotterie verkommen ist. Wer beispielsweise im August oder September 2025 nach Karlsruhe reisen wollte, kam nicht einmal in einem Viertel der Fälle innerhalb der vertraglich festgeschriebenen 3:59 Minuten-Pünktlichkeit an. Überhaupt gab es im gesamten Zeitraum zwischen November 2024 und Oktober 2025 nur vier Monate, in denen wenigsten die Hälfte der Züge pünktlich dort ankam. Auch in die Gegenrichtung sah es nicht viel besser aus. Denn wer nach Stuttgart wollte, kam statistisch betrachtet ebenfalls nur in sechs Monaten während mehr als der Hälfte der Fahrten rechtzeitig in Stuttgart an. Wie schlecht es um den Bahnverkehr steht, zeigt sich schließlich auch daran, dass im abgefragten Zeitraum innerhalb eines Monats nie mehr als 61 Prozent der Züge pünktlich an ihrem Endziel ankamen. Hinzu kamen im Zeitraum von Juli 2025 bis Oktober 2025 beim RE Ausfallquoten von 22 bis fast 28 Prozent, die nicht vom Betreiber Arverio verschuldet waren.
Besser, aber weit entfernt von gut, war es um die Pünktlichkeit beim MEX 17 bestellt. Dieser erreichte mit Ausnahme des November 2024 am Endpunkt Pforzheim immerhin Pünktlichkeitsquoten von um die 70 Prozent, im August 2025 gar 79,1 Prozent. In Stuttgart sah es wiederum schlechter aus, aber auch dort wurden mit Werten zwischen 57 und 72 Prozent bessere Zahlen als beim RE 1 erreicht. Bei beiden Bahnlinien ist wie schon in den vergangenen Jahren zudem erkennbar, dass die Pünktlichkeit an den Zwischenhalten wie Mühlacker oder Pforzheim beim RE 1 deutlich besser ausfällt. Auch dort konnte die eigentliche Zielmarke 90 Prozent jedoch nie erreicht werden. Die zwischenzeitliche Übernahme der SBS durch DB Regio führte nach Angaben des Ministeriums zudem bislang aufgrund der Baustellensituation nicht zu spürbaren Verbesserungen.
Am besten schnitt auch 2025 wieder die von der AVG betriebene S 5 ab. Diese erreichte an der Messstelle am Bahnhof Wilderdingen-Singen jeweils Werte zwischen 78 und rund 87 Prozent pünktlicher Züge. Die Zielmarke wurde jedoch auch hier verfehlt. Für Schweickert bleibt deshalb unter den jetzigen Umständen nur das Prinzip Hoffnung. „Die katastrophale Zuverlässigkeit des regionalen Bahnverkehrs ist seit Jahren bekannt, aber von einem Aufwärtstrend ist angesichts immer neuer schlechter Nachrichten nichts zu spüren. Offensichtlich bekommt die Bahn es nicht hin, die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, ohne gleichzeitig den laufenden Verkehr ins Chaos zu stürzen. Wer mit Pendlerinnen und Pendlern spricht, spürt jedenfalls, dass das Vertrauen vollkommen aufgebraucht ist und viele nur mit gutem Willen oder mangels Alternativen der Bahn die Stange halten“, beschreibt er die aktuelle Stimmung unter Bahnreisenden.
