Alte Strecken, neue Bestzeiten: Rallye-Action rund um Calw

bei Georg Kost

Bei der 42. ADAC Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye und der 7. ADAC Retro-Rallye des MSC Calw wurde am Samstag wieder Rallyesport auf den Straßen rund um Calw geboten. Foto: Bourges

KREIS CALW, 07.09.2026 (rsr) – Motoren heulen auf, Reifen greifen in den Asphalt und irgendwo zählt gerade jemand die Sekunden mit. Bei der 42. ADAC Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye und der 7. ADAC Retro-Rallye des MSC Calw wurde am Samstag wieder Rallyesport auf den Straßen rund um Calw geboten.
Zum 100-jährigen Bestehen des MSC Calw kehrten mit Altburg/Spindlers Hof, Station Teinach und Holzbronn gleich drei frühere Wertungsprüfungen in den Streckenplan zurück.

Für Fahrer, Beifahrer und die Zuschauer entlang der Strecken bedeutete das: sechs Wertungsprüfungen, zweimal Bestzeitjagd auf jeder Prüfung und jede Menge Motorsport-Atmosphäre. Die Veranstaltung war zugleich Wertungslauf der Württembergischen ADAC Rallye-Meisterschaft.

Für die Teilnehmer standen insgesamt rund 117 Kilometer Rallyestrecke auf dem Programm, davon rund 35 Kilometer im Kampf gegen die Uhr. Besonders der Rundkurs in Calw-Altburg bot mit seinen gut einsehbaren Passagen beste Voraussetzungen für spektakuläre Rallyeszenen. Die Zuschauer konnten das Geschehen aus sicherer Entfernung verfolgen und bekamen dabei hautnah mit, wie die Fahrzeuge durch die Kurven jagten, über Kuppen gingen und um jede Zehntelsekunde kämpften.

Jede Menge Motorsport-Atmosphäre bot die 42. ADAC Gerhard-Mitter-Gedächtnisrally. Foto: Bogner

Für die Teams begann der Rallyetag bereits lange vor der ersten Bestzeit. Im Fahrerlager in Deckenpfronn wurden die Fahrzeuge und Besatzungen auf die sicherheitsrelevanten Anforderungen vorbereitet. Gleichzeitig konnten Motorsportfans dort die Wettbewerbsfahrzeuge und die historischen Raritäten der Retro-Rallye aus nächster Nähe betrachten. Gerade der Mix aus aktuellem Rallyesport und automobilen Zeitzeugen machte den besonderen Reiz der Veranstaltung aus.

Auf den Wertungsprüfungen war anschließend Teamarbeit gefragt. Der Fahrer muss das Fahrzeug präzise am Limit bewegen, während der Beifahrer mit seinen Ansagen den Weg durch die Prüfung vorgibt. Grundlage dafür ist das sogenannte Gebetbuch, das während der Streckenbesichtigung entsteht. Darin werden unter anderem Kurven, Kuppen, Abstände und weitere Besonderheiten des Streckenverlaufs festgehalten. Im Wettbewerb werden daraus präzise Ansagen, die dem Fahrer helfen, die Strecke möglichst schnell und kontrolliert zu bewältigen.

Der Start der Jubiläumsrallye erfolgte am Samstag auf dem Marktplatz in Calw.  Foto: Bogner

Der Start der Jubiläumsrallye erfolgte am Samstag um 12 Uhr auf dem Marktplatz in Calw. Von dort machten sich die Teams auf den Weg zu den Wertungsprüfungen. Die Verbindungsetappen zwischen den Prüfungen mussten dabei unter Einhaltung der Straßenverkehrsordnung absolviert werden.

Dass eine Rallye dieser Größenordnung überhaupt funktioniert, zeigte sich auch abseits der Strecke. Rund 250 ehrenamtliche Helfer waren im Einsatz – von der Rallyeleitung über die Fahrzeugabnahme bis zu den Streckenposten. Die Rückkehr der früheren Wertungsprüfungen bedeutete zusätzlichen organisatorischen Aufwand und erforderte eine enge Abstimmung mit Behörden und den Beteiligten vor Ort.

Mit der 42. Auflage verband der MSC Calw seine Vereinsgeschichte mit aktuellem Rallyesport. Die Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye gehörte 2026 zum Programm der Württembergischen ADAC Rallye-Meisterschaft und des Baden-Württemberg-Franken-Rallyepokals. Das 100-jährige Vereinsjubiläum bekam damit einen passenden motorsportlichen Rahmen: historische Streckenabschnitte trafen auf moderne Rallyeautos, erfahrene Teams auf die Jagd nach Bestzeiten und zahlreiche Zuschauer auf Motorsport aus nächster Nähe.

Die Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye gehörte 2026 zum Programm der Württembergischen ADAC Rallye-Meisterschaft und des Baden-Württemberg-Franken-Rallyepokals. Foto: Bourges

Die Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye zeigte damit einmal mehr, was den Reiz des Rallyesports ausmacht: Es gibt keine abgesperrte Rennstrecke mit immer gleichen Kurven. Stattdessen führt der Wettbewerb über wechselnde Prüfungen, bei denen Fahrer und Beifahrer auf jede Besonderheit vorbereitet sein müssen. Am Ende entscheiden fahrerisches Können, perfekte Kommunikation im Cockpit und die berühmten Zehntelsekunden.