Abschied unter Bäumen

Waldführung im FriedWald Friolzheim informiert über Bestattungsvorsorge

bei Georg Kost

Regelmäßig stattfindende Waldführungen im FriedWald Friolzheim informieren über Bestattungsvorsorge. Foto: Georg Kost

FRIOLZHEIM, 30.03.2026 (rsr) – Sich bereits zu Lebzeiten mit der eigenen letzten Ruhestätte zu beschäftigen, fällt vielen Menschen schwer. Gleichzeitig kann eine Bestattungsvorsorge für Entlastung sorgen – für einen selbst ebenso wie für die Angehörigen. Wer frühzeitig Entscheidungen trifft, nimmt Hinterbliebenen später viele organisatorische und emotionale Belastungen ab. Häufig entsteht der Wunsch nach Klarheit erst dann, wenn man selbst eine Beisetzung organisieren musste und erlebt hat, wie viele Fragen in kurzer Zeit beantwortet werden müssen.
Am vergangen Samstag nahm FriedWald-Förster Vincent Mannal eine kleine Besuchergruppe mit auf eine der regelmäßig stattfindenden Waldführungen im FriedWald Friolzheim an der Wimsheimer Straße bei Tiefenbronn.

Am vergangenem Samstag nahm FriedWald-Förster Vincent Mannal eine kleine Besuchergruppe mit auf eine der regelmäßig stattfindenden Waldführungen im FriedWald Friolzheim. Foto Georg Kost

Schnee und Regen begleiteten den nasskalten und dem Anlass entsprechend traurig daherkommen Nachmittag, als sich die Gruppe an der Infotafel am Parkplatz traf. Die Teilnehmer – ausschließlich Ehepaare – hatten sich bewusst für diese Informationstour entschieden. Ihr gemeinsames Anliegen war es, sich in ruhiger Atmosphäre darüber zu informieren, wie eine Bestattung im Wald abläuft und welche Möglichkeiten es gibt, den letzten Abschnitt des Lebens naturverbunden, individuell und tröstlich zu gestalten.

Nahe des Hauptzugangsweg, unweit der Friolzheimer Gemarkungsgrenze am Ortseingang von Tiefenbronn, informieren Waldtafeln über das Gelände und dienen der Orientierung. Während des rund einstündigen Spaziergangs erklärte Förster Mannal ausführlich das Konzept der Naturbestattung. Themen waren Grabarten und Kosten, die Auswahl eines passenden Baumes sowie die Gestaltung von Beisetzungen. Gleichzeitig nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, persönliche und allgemeine Fragen zu stellen.

Unter einem Baum seine letzte Ruhe zu finden, ist für viele Menschen ein tröstlicher Gedanke, auch wenn der Wald als Ruhestätte zunächst ungewohnt erscheinen kann. Manche Menschen haben sehr konkrete Vorstellungen von ihrem Baum, berichtete Mannal: Einige bevorzugen einen jungen Baum, andere einen hochgewachsenen schlanken, wieder andere suchen einen besonders markanten oder außergewöhnlichen Baum.

Der FriedWald ist eine alternative Bestattungsform. Die Standorte sind nach öffentlichem Recht genehmigte Friedhöfe im Wald. Die Asche Verstorbener ruht in biologisch abbaubaren Urnen unter Bäumen, die in einem als FriedWald gewidmeten Wald stehen. Die Gründe für diese Form der Bestattung sind vielfältig: die Nähe zur Natur, der Wunsch nach einer Alternative zum klassischen Friedhof oder auch die Entlastung der Angehörigen, da keine Grabpflege anfällt. Denn im FriedWald übernimmt allein die Natur die Grabpflege. Gestecke, Kerzen, Grabsteine oder sonstiger Grabschmuck sind nicht erlaubt, da sie nicht in die natürliche Umgebung passen. Stattdessen prägen je nach Jahreszeit Moose, Farne, Wildblumen, buntes Laub oder Schnee das Erscheinungsbild der Baumgräber. Auf Wunsch weist ein kleines Namensschild am Baum auf die Grabstätte hin. Alle Grabstätten sind registriert und sowohl beim Friedhofsträger als auch bei FriedWald dokumentiert.

Die Asche Verstorbener ruht in biologisch abbaubaren Urnen unter Bäumen, wo die Grabpfleg der Natur überlassen wird. Foto Georg Kost

Interessierte können sich entweder für einen ganzen Baum mit mehreren Plätzen oder für einen einzelnen Platz an einem gemeinschaftlich genutzten Baum entscheiden. Die Zahl der Plätze variiert je nach Baumart, Größe und Lage, entsprechend unterschiedlich sind auch die Preise. Zusätzlich gibt es sogenannte Basisplätze, deren genauer Standort erst im Trauerfall von einer Försterin oder einem Förster zugewiesen wird.

Ein besonderer Ort im FriedWald ist der Sternschnuppenbaum – ein Baum für Kinder bis zum dritten Lebensjahr. Ein Platz dort ist kostenfrei, lediglich die Beisetzungskosten fallen an. Aus Gründen der Pietät werden diese Ruhestätten während der Führungen jedoch nicht gezeigt.

Die FriedWald-Bäume werden mit forstlichem Sachverstand ausgewählt und dienen als natürliche Grabmale sowie als Ort des Gedenkens und Erinnerns. Voraussetzung für eine Baumbestattung ist die Einäscherung. Viele Interessenten wählen ihren Baum bereits zu Lebzeiten aus und halten ihren Wunsch schriftlich fest, damit Angehörige später Klarheit haben.

Wie eine Beisetzung im FriedWald gestaltet wird, hängt weitgehend von den Wünschen der Verstorbenen und ihrer Angehörigen ab. Christliche Beisetzungen sind ebenso möglich wie Abschiede ohne geistlichen Beistand. Manche Familien gestalten die Zeremonie selbst, andere holen sich Unterstützung durch eine Trauerrednerin oder einen Trauerredner. Häufig spielt Musik beim Abschied eine wichtige Rolle.

Am Ende des Spaziergangs erreicht die Gruppe den Andachtsplatz mit Sitzgelegenheiten, Kreuz und einem Platz für die Urne. Dort berichtete Förster Mannal auch von der Möglichkeit der digitalen Baumauswahl und virtuellen Rundgängen durch FriedWald-Standorte – ein Angebot, das besonders für Menschen interessant ist, die weit entfernt wohnen, aber später in ihrer Heimat beigesetzt werden möchten.
Wer den FriedWald selbst kennenlernen und mehr über die Idee der Naturbestattung erfahren möchte, kann an einer kostenlosen Waldführung teilnehmen. Die nächste Führung in Friolzheim findet am 11. April um 14 Uhr statt.  Anmeldungen unter www.friedwald.de

Über FriedWald
Die FriedWald GmbH hat mit der Naturbestattung eine Veränderung in der Bestattungskultur angestoßen. Im Jahr 2001 wurde mit dem FriedWald Reinhardswald bei Kassel der erste Bestattungswald als Alternative zum herkömmlichen Friedhof in Deutschland eröffnet. Heute gibt es bundesweit knapp 100 FriedWald-Standorte. Jeder FriedWald ist ein nach öffentlichem Recht genehmigter Friedhof im Wald und entsteht in Kooperation mit Ländern, Kommunen, Kirchen und Forstverwaltungen.