Zwischen Jazz, Pop und großen Gefühlen

Alma Naidu begeistert beim Eröffnungskonzert der Musiktage Mühlhausen

bei Georg Kost

Mit Alma Naidu und ihrer Band hat der Musikverein Mühlhausen seine Musiktage 2026 eröffnet. Foto: Georg Kost

TIEFENBRONN – MÜHLHAUSEN, 18.10.2026 (rsr) – Eine klare Stimme, eingängige Melodien und ein musikalischer Ausdruck, der sich nicht auf ein einziges Genre festlegen lässt: Mit Alma Naidu hat der Musikverein Mühlhausen seine Musiktage 2026 eröffnet.
Die preisgekrönte Sängerin, Pianistin und Komponistin aus München steht für einen Jazz, der auch Menschen erreicht, die sich nicht regelmäßig mit dieser Musik beschäftigen. Das Publikum zeigte sich begeistert.

Musikalisch wurde Naidu von Susi Lotter am E-Bass und Florian Stierstorfer am Schlagzeug begleitet. Als Gast wirkte der Trompeter Jakob Bänsch mit, der in Mühlhausen aufgewachsen ist und sich inzwischen international als Musiker einen Namen gemacht hat. Für das Publikum erhielt der Abend dadurch einen besonderen lokalen Bezug. Als Naidu Bänsch zum Ende des Konzerts nochmals auf die Bühne holte, war die Begeisterung groß.

Alma Naidus Musik bewegt sich zwischen modernem Jazz, Pop, Folk und Soul. Foto: Georg Kost

Naidus Musik bewegt sich zwischen modernem Jazz, Pop, Folk und Soul. Mal stehen die Melodie und ihre Stimme im Mittelpunkt, mal entfalten sich die Stücke zu vielschichtigen Klangbildern. Dabei verbindet die Musikerin musikalische Raffinesse mit einer unmittelbaren, persönlichen Ausdruckskraft. Ihre Songs verlangen aufmerksames Zuhören, ohne sich dem Publikum zu verschließen. Gerade diese Verbindung aus anspruchsvoller Musik und emotionaler Zugänglichkeit prägt ihr künstlerisches Profil.

Die Fachpresse hebt vor allem Naidus klare, ausdrucksstarke Stimme und ihre sichere Intonation hervor. Die Süddeutsche Zeitung zählt sie zu den vielversprechenden Sängerinnen der deutschen Szene. Auch das Jazzmagazin Jazzthing würdigt ihre stimmlichen Qualitäten. Dass Naidu nicht allein als Interpretin überzeugt, zeigt sich in ihren eigenen Kompositionen. Sie schreibt und arrangiert ihre Musik selbst und entwickelt daraus einen Stil, in dem sich unterschiedliche Einflüsse zu einem eigenständigen Klang verbinden.

Persönliche Geschichten in musikalischer Form
Ein wichtiger Bezugspunkt ihres aktuellen Schaffens ist das 2025 erschienene Album REDEFINE. Die 13 selbst produzierten Stücke beschäftigen sich mit Freundschaft, Liebe und persönlicher Entwicklung, greifen aber auch Fragen nach Gleichberechtigung, gesellschaftlichen Erwartungen und überlieferten Rollenbildern auf. Naidu verbindet damit persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Themen, ohne ihre Musik auf eine bloße Botschaft zu reduzieren.

Auch musikalisch ist das Album breit angelegt. Neben der klassischen Bandbesetzung finden sich Arrangements mit Streichern und reduzierte Passagen, in denen Stimme und Klavier allein den Ton angeben. Zu den Mitwirkenden gehören unter anderem der Gitarrist Mark Lettieri und der Schlagzeuger Jason „JT“ Thomas, beide bekannt durch die Band Snarky Puppy, sowie die Cellistin Raphaela Gromes. Auch Jazzmusiker wie Nils Landgren, Lisa Wulff und Simon Oslender sind auf dem Album vertreten.

Mit dem Auftritt von Jakob Bänsch (Mitte) erhielt der Konzertabend in Mühlhausen eine besondere lokale Verbindung. Foto: Georg Kost

Mit REDEFINE gelang Naidu ein beachtlicher Erfolg: Das Album stieg 2025 auf Platz drei der offiziellen deutschen Jazzcharts ein und erreichte zudem die Top 100 der deutschen Albumcharts. Bereits ihr Debütalbum Alma hatte sich in den Jazzcharts platziert und ihr Publikum über die Grenzen Deutschlands hinaus erweitert.

Naidu absolvierte ihre musikalische Ausbildung in München, London und Köln. Für ihre Arbeit erhielt sie unter anderem den BMW Welt Young Artist Jazz Award, den Kurt Maas Jazz Award und den Bayerischen Kunstförderpreis. Ihre Konzertreisen führten sie nach Europa, Asien und Amerika. Darüber hinaus arbeitete sie mit international bekannten Musikern wie Bobby McFerrin, Nils Landgren, Ivan Lins und Wolfgang Haffner zusammen und trat mit dem WDR Funkhausorchester auf.

Mit der Verpflichtung der Münchner Sängerin setzte der Musikverein Mühlhausen zum Auftakt seiner Musiktage auf eine Künstlerin, die musikalische Qualität und stilistische Offenheit verbindet. Ihr Auftritt zeigte, dass Jazz nicht auf komplizierte Strukturen oder ein spezialisiertes Publikum beschränkt sein muss, sondern ebenso von eingängigen Melodien, persönlichen Geschichten und der unmittelbaren Wirkung einer Stimme leben kann.