Deutschlands Pétanque-Nachwuchs bringt Steinegg zum Beben

bei Georg Kost

Seit dem frühen Samstagvormittag gehört die Bouleanlage des 1. FC Steinegg Bietbouler e. V. ganz dem deutschen Pétanque-Nachwuchs. Foto: Georg Kost

NEUHAUSEN-STEINEGG, 13.09.2026 (rsr) – Seit dem frühen Samstagvormittag gehört die Bouleanlage des 1. FC Steinegg Bietbouler e. V. ganz dem deutschen Pétanque-Nachwuchs. Die Deutsche Jugendmeisterschaft ist gestartet, und auf den Bahnen wird bereits um jeden Punkt, jeden Zentimeter und jede Kugel gekämpft. Junge Spielerinnen und Spieler aus zehn Landesverbänden sind nach Steinegg gekommen, um sich in vier Altersklassen und insgesamt acht Wettbewerben mit der deutschen Nachwuchselite zu messen.

Schon kurz nach dem Auftakt ist zu spüren, dass dieses Wochenende für die jungen Sportler etwas Besonderes ist. Überall auf dem Gelände wird konzentriert gespielt, beobachtet, diskutiert und gemessen. Trainer und Betreuer verfolgen die Partien aufmerksam, Eltern und Freunde fiebern mit. Auf den Bahnen selbst ist höchste Konzentration gefragt. Eine Kugel kann perfekt liegen – und mit einem einzigen präzisen Schuss wieder aus dem Spiel genommen werden.

Im Mittelpunkt des ersten Meisterschaftstages stehen die Triplette-Wettbewerbe. Jeweils drei Spieler bilden ein Team. Gespielt wird bei den Minimes, Cadets, Juniors und Espoirs. Die jüngsten Teilnehmer sind Jahrgang 2015 oder jünger. Die Cadets umfassen die Jahrgänge 2012 bis 2014, die Juniors 2009 bis 2011. Bei den Espoirs, der ältesten Nachwuchsklasse, treten Spieler der Jahrgänge 2004 bis 2008 an.

Auf den Bahnen treffen damit unterschiedliche Altersgruppen und Spielstile aufeinander. Während die Jüngsten ihre ersten großen Meisterschaftserfahrungen sammeln, bringen die älteren Espoirs bereits reichlich Wettkampferfahrung mit. Gemeinsam ist allen der Ehrgeiz, sich gegen starke Konkurrenz durchzusetzen.
Parallel zu den Triplette-Partien laufen die Vorrunden der Einzelwettbewerbe. Beim Tireur kommt es auf Präzision und Treffsicherheit an, beim Pointeur auf das kontrollierte und möglichst genaue Legen der eigenen Kugel. Beide Disziplinen werden in Steinegg in den Klassen U18 und Espoirs ausgetragen. Damit zeigt die Deutsche Jugendmeisterschaft die ganze technische Bandbreite des Pétanque-Sports.

Besonders groß ist die Beteiligung aus Baden-Württemberg. Der gastgebende Landesverband ist mit insgesamt 18 Triplette-Teams vertreten: vier bei den Minimes, vier bei den Cadets sowie jeweils fünf bei Juniors und Espoirs. Hinzu kommen vier Spieler für die Einzelwettbewerbe.
Für die baden-württembergischen Nachwuchsspieler ist die Meisterschaft damit nicht nur ein sportlicher Höhepunkt, sondern zugleich ein Heimspiel.

Bei den Juniors stehen unter anderem Fabian Spann, Janaina Cabrera und Dario Kraleski, Franziska Hetzel, Lucas Machauer und Gianluca Leopardi sowie weitere Teams auf dem Spielplan. Bei den Espoirs gehören unter anderem Annika Heine, Béla Augustin Mössinger und Hugo Moreno, Kevin Kumbera, Tobias Greuling und Nils Kräuter zum Aufgebot. Im Tireur treten Gianluca Leopardi und Nils Kräuter an, im Pointeur Lucas Machauer und Carmen Claus.

Einige der baden-württembergischen Teilnehmer kennen die große Bühne bereits bestens. Lucas Machauer, Janaina Cabrera und Dario Kraleski wurden bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 2025 in Köln mit ihrem Juniors-Team Vizemeister. Auch Fiona Butterling, Finn Hanrath und Franziska Hetzel holten bei den Cadets Silber. Béla Augustin Mössinger erreichte bei den Espoirs ebenfalls den zweiten Platz.

Die Titel aus dem vergangenen Jahr verteilen sich allerdings auf mehrere Landesverbände. Bei den Espoirs gewann das rheinland-pfälzische Trio Leander Becker, Ella Koch und Finn Ochsenreither. Den Juniors-Titel holten Ben Haug, Maria Hein und Emil Croissant aus Rheinland-Pfalz. Bei den Cadets ging Gold nach Berlin, bei den Minimes nach Hessen. Auch die Titel in den Einzelwettbewerben wurden 2025 von Spielern verschiedener Landesverbände gewonnen.

Wie intensiv sich die Verbände auf das Meisterschaftswochenende vorbereitet haben, zeigte sich bereits in den vergangenen Wochen. Bei der Offenen Hessischen Jugendmeisterschaft im Triplette in Bensheim trafen Mitte August Mannschaften aus Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz aufeinander. Das Turnier diente zugleich als Wettkampfmöglichkeit vor der Deutschen Meisterschaft. Auch Niedersachsen setzte in der Vorbereitung auf zusätzliche Wettkampferfahrung, unter anderem bei der Petit-Lion-Serie.

Junge Spielerinnen und Spieler aus zehn Landesverbänden sind nach Steinegg gekommen, um sich in vier Altersklassen und insgesamt acht Wettbewerben mit der deutschen Nachwuchselite zu messen. Foto: Georg Kost

In Steinegg geht es nun um die entscheidenden Erfahrungen auf nationaler Ebene. Für die jungen Spielerinnen und Spieler bedeutet das Meisterschaftswochenende volle Konzentration, aber auch das besondere Erlebnis, gemeinsam mit Freunden und Teamkollegen auf einer großen sportlichen Bühne zu stehen. Für Eltern und Zuschauer bietet sich gleichzeitig die Gelegenheit, die Entwicklung des Nachwuchses unmittelbar mitzuerleben. Denn Pétanque lebt nicht allein von der ruhigen Hand. Zwischen den Aufnahmen wird gerechnet, beraten und taktiert. Ein gelungener Schuss sorgt für Jubel, eine knapp verfehlte Kugel für lange Gesichter. Danach geht es weiter – neue Aufnahme, neue Situation, neue Entscheidung.

Mittendrin stehen die Bietbouler, die mit der Deutschen Jugendmeisterschaft erneut eine hochkarätige nationale Veranstaltung nach Steinegg geholt haben. Die Turnierleitung liegt bei Andreas Endler, Christian Paffrath und Jan Mensing. Als Schiedsrichter sind Elisabeth Fenne, Uli Junginger, Michael Kulinna, Andreas Orth und Thomas Seibt im Einsatz. Für den Deutschen Pétanque-Verband ist Mark-Oliver Fitz, Vizepräsident Jugend und Vorsitzender der Deutschen Pétanque Jugend, vor Ort.

Während auf den Bahnen inzwischen die nächsten Kugeln rollen, bleibt die Spannung hoch. Jede Aufnahme kann die Tabelle verändern, jede Partie neue Konstellationen schaffen. Für die jungen Teilnehmer aus den zehn Landesverbänden ist Steinegg an diesem Wochenende der Ort, an dem sich entscheidet, wer sich 2026 Deutscher Jugendmeister nennen darf. Die Meisterschaften enden am Sonntag bis gegen 16.30 Uhr mit der Siegerehrung.