Zurück auf die Rallyepisten der Vergangenheit

42. ADAC Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye und 7. ADAC Retro-Rallye zum Jubiläum

bei Georg Kost

Symbolfoto: infopress24.de

CALW, 01.09.2026 (rsr) – Motorenlärm, schnelle Kurven, knappe Sekundenentscheidungen und der Kampf um die Ideallinie: Am 5. September kehrt der Rallyesport auf besondere Weise nach Calw zurück. Zum 100-jährigen Bestehen des MSC Calw führt die 42. ADAC Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye nicht nur mitten durch die Geschichte des Vereins, sondern auch zurück auf frühere Wertungsprüfungen im Kreis Calw. Gemeinsam mit der 7. ADAC Retro-Rallye verspricht die Veranstaltung eine Mischung aus aktuellem Rallyesport, historischen Fahrzeugen und einem Stück Motorsportgeschichte.

Der Startpunkt ist dabei selbst ein besonderer Schauplatz. Um 12.01 Uhr werden die Rallyefahrzeuge auf dem Calwer Marktplatz auf die Strecke geschickt. Von dort aus fahren die Teams zunächst nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung zu den Wertungsprüfungen. Auf den Prüfungen selbst geht es anschließend um etwas ganz anderes: um Geschwindigkeit, Präzision und die möglichst perfekte Beherrschung des Fahrzeugs.

Mit Altburg/Spindlers Hof, Station Teinach und Holzbronn stehen drei Wertungsprüfungen auf dem Programm. Jede wird zweimal absolviert. Gerade die Rückkehr dieser Strecken verleiht der diesjährigen Rallye ihren besonderen Charakter. Mit Unterstützung der Stadt Calw und verschiedener Behörden konnten die früheren Prüfungen reaktiviert werden. Für den MSC Calw ist das Jubiläumsjahr damit zugleich eine Rückkehr an Schauplätze, die mit der eigenen Rallyegeschichte verbunden sind.

Besonders im Blickpunkt steht die Wertungsprüfung in Altburg. Der gut einsehbare Rundkurs ermöglicht Zuschauern einen unmittelbaren Blick auf das Geschehen. Dort entscheidet sich, wie gut Fahrer und Beifahrer miteinander harmonieren. Während der Fahrer das Fahrzeug auf der Jagd nach Bestzeiten an die Grenzen bringt, liefert der Co-Pilot die entscheidenden Informationen über den Streckenverlauf. Kurven, Kuppen, Geraden und Bremszonen sind zuvor im sogenannten Gebetbuch festgehalten worden. Im Wettbewerb müssen die Ansagen dann im richtigen Moment kommen und umgesetzt werden.

Der eigentliche Rallyetag beginnt für die Teilnehmer bereits lange vor dem ersten Wertungslauf. Schon am Freitag füllt sich das Fahrerlager in Deckenpfronn. Fahrzeuge und Besatzungen werden dort auf sicherheitsrelevante Anforderungen überprüft. Für Motorsportfans bietet sich gleichzeitig die Gelegenheit, die aufwendig vorbereiteten Rallyefahrzeuge und die historischen Fahrzeuge der Retro-Rallye aus unmittelbarer Nähe zu betrachten.

Dass eine Rallye dieser Größenordnung überhaupt stattfinden kann, ist zudem das Ergebnis eines erheblichen ehrenamtlichen Einsatzes. Rund 250 Helfer aus Motorsportvereinen des gesamten süddeutschen Raums sind an der Veranstaltung beteiligt. Ihre Aufgaben reichen von der Rallyeleitung und Fahrzeugabnahme bis zur Absicherung der Wertungsprüfungen. Gerade die Streckenposten sorgen dafür, dass der Wettbewerb unter den erforderlichen Sicherheitsbedingungen stattfinden kann.

Die Wurzeln des ausrichtenden Clubs reichen noch deutlich weiter zurück als die Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye. Am 6. April 1926 gründeten sieben Motorradfahrer den damaligen Motorradclub Calw. Hans Stürner erhielt die Mitgliedskarte Nummer eins und wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Bereits ein Jahr später gehörten dem Verein rund 40 Mitglieder an, die an Veranstaltungen des ADAC-Gaus Württemberg teilnahmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein 1949 als Motorsportclub Calw e.V. im ADAC neu gegründet. Der Motorsport blieb das verbindende Element, auch wenn sich die Disziplinen im Laufe der Jahrzehnte veränderten. Heute zählt der MSC Calw rund 100 Mitglieder. Neben der Rallye gehören unter anderem der Automobilslalom und die Clubkartmeisterschaft auf der Indoorbahn in Neckartenzlingen zum Vereinsleben.

Die Gerhard-Mitter-Gedächtnisrallye selbst entstand 1983 gemeinsam mit dem MSC Strudelbachtal. Aus der damaligen Veranstaltung entwickelte sich eine Rallye, die sich auch über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus einen Namen machen konnte. Heute wird sie mit Unterstützung weiterer befreundeter Motorsportclubs ausgerichtet.

Im Mittelpunkt des Namensgebers steht dabei ein Rennfahrer, dessen Karriere eng mit der großen Motorsportwelt der 1960er-Jahre verbunden war. Gerhard Mitter aus Böblingen gehörte zu den erfolgreichsten und schnellsten deutschen Rennfahrern seiner Zeit. Seine Karriere führte ihn zu internationalen Erfolgen, ehe sie im August 1969 durch einen Unfall auf dem Nürburgring jäh beendet wurde. Die nach ihm benannte Rallye erinnert seit Jahrzehnten an den Motorsportler und hält seinen Namen auf den Rallyepisten präsent.

Wie stark die Veranstaltung vom Zusammenspiel aus Geschwindigkeit, Technik und fahrerischem Können lebt, zeigte auch die 41. Auflage im September 2025. Damals gingen 55 Teams an den Start, 39 davon in der R35-Wertung und 16 in der Retro-Wertung. Die historische Fahrzeugklasse bringt dabei einen zusätzlichen Blickfang auf die Strecke und schlägt zugleich die Brücke zu vergangenen Epochen des Motorsports.

Am 5. September wird diese Verbindung nun besonders deutlich. Vom Calwer Marktplatz führt der Weg der Teams hinaus zu den Wertungsprüfungen, auf denen die Uhr den Takt vorgibt.
Für Zuschauer wird vor allem die Prüfung in Altburg zum Anziehungspunkt. Entlang der Rallyestrecken müssen sich Anwohner, Landwirte, Radfahrer und Spaziergänger allerdings auf Einschränkungen einstellen. Der MSC Calw bittet deshalb um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen rund um die Veranstaltung.

Im Fahrerlager in Deckenpfronn beginnt das Rallyewochenende bereits am Freitag mit der technischen und sicherheitsrelevanten Vorbereitung der Fahrzeuge. Dort stehen die Boliden und historischen Rallyefahrzeuge für die Fans noch abseits der Wertungsprüfungen bereit – bevor am Samstag auf den alten und wiederbelebten Rallyepisten im Kreis Calw die Jagd nach Sekunden beginnt.