Verkehrsversuch in Leonberg

Zimmer: Um diesen Versuch umzusetzen, braucht man Mut und Durchhaltevermögen

bei Georg Kost

Staatssekretärin Elke Zimmer und Landtagsabgeordneter Peter Seimer machen sich ein Bild von der Umweltspur

Staatssekretärin Elke Zimmer und Oberbürgermeister Martin Georg Cohn.  | © Sebastian Küster

LEONBERG, 22.06.2022 (pm) – Die Engelbergstadt testet derzeit im Rahmen eines Verkehrsversuchs, wie sich eine Umweltspur im Zentrum auf den Verkehr auswirkt. Seit einer Woche haben Busse sowie Radfahrerinnen und Radfahrer in der Eltinger- und Brennerstraße eine eigene Fahrbahn. Der Verkehrsversuch gehört zum Großprojekt „Stadt für Morgen“. Staatssekretärin Elke Zimmer und Landtagsabgeordneter Peter Seimer sind vom Leonberger Pioniergeist beeindruckt.

Wer aktuell durch die Brenner- oder Eltinger Straße fährt, wird beim ersten Mal vielleicht verwundert sein. Die rechte Fahrbahn steht nämlich seit Dienstag, 14. Juni, nicht mehr Autofahrerinnen und Autofahrern, sondern ausschließlich Bussen und Radfahrenden zur Verfügung – und das noch bis Ende Oktober 2022. Der Verkehrsversuch wurde vom Gemeinderat beschlossen und vom Referat für innovative Mobilität der Stadt Leonberg umgesetzt. Hinter der provisorischen Umweltspur, ein Teilprojekt der „Stadt für Morgen“, steckt so viel Ideenreichtum und Mut, dass sogar die Staatssekretärin Elke Zimmer und der Landtagsabgeordnete Peter Seimer (beide Grüne) am vergangenen Montag, 20. Juni, nach Leonberg kamen, um sich selbst ein Bild von der provisorischen Umweltspur zu machen.

„Die ‚Stadt für Morgen‘ soll modern, grün, innovativ und zukunftsgerecht sein. Letzte Woche haben wir mit dem Verkehrsversuch den ersten Stein gelegt und wir alle sind sehr gespannt, welches Ergebnis auf uns wartet. Dass unsere Pläne für Leonberg richtig sind, beweist Ihr heutiger Besuch, Frau Zimmer und Herr Seimer“, führte Oberbürgermeister Martin Georg Cohn in den Nachmittag voller Gespräche und neuer Eindrücke ein.

Im großen Sitzungssaal des Rathauses am Belforter Platz tauschten sich Cohn, Zimmer und Seimer sowie Vertreterinnen und Vertreter des Gemeinderats über den laufenden Verkehrsversuch aus. Der stellvertretende Leiter des Referats für innovative Mobilität, Jens Schneider, und Leonbergs neuer Fahrradkoordinator, Johannes Bohle, reicherten mit Daten und Fachwissen an.

„Um diesen Versuch umzusetzen, braucht man Mut und Durchhaltevermögen“
Staatssekretärin Elke Zimmer ist von den Eindrücken aus Leonberg begeistert. Allen voran lobte sie den Pioniergeist, der in Leonberg weht. „Um diesen Versuch umzusetzen, braucht man vor allem Kreativität, Mut und Durchhaltevermögen. Das baden-württembergische Verkehrsministerium wird die Stadt bei ihrem Vorhaben bestärken“, so Zimmer. Wichtig sei es, die Menschen bei solchen Vorhaben mitzunehmen, denn so wachse die Akzeptanz in der Bevölkerung. „Dass Sie in Leonberg in einem sechsmonatigen Verkehrsversuch erst einmal ausprobieren, welche Auswirkungen es hat, wenn zwei von vier Spuren dem öffentlichen Nahverkehr und den Radfahrenden zugutekommen, ist der richtige Ansatz“, sagt Staatssekretärin Zimmer. Durch Maßnahmen wie diese steige die Aufenthaltsqualität. Und das werde sich auch positiv auf den Einzelhandel auswirken, ist Zimmer überzeugt. „Die Bürgerinnen und Bürger werden gerne und entspannt die City besuchen, anstatt aus dem Auto zu springen, um noch schnell etwas zu besorgen. Davon profitieren die Geschäfte und die Gastronomie. Das zeigen viele Beispiele in Europa, allen voran die Stadt Wien“, erklärt sie.

Auch der Landtagsabgeordnete Peter Seimer (Grüne) blickt positiv in die Leonberger Zukunft: „Sie machen es richtig, Wirtschaftsunternehmen, wie etwa die Firma BOSCH, in den Prozess zu integrieren. Nur wenn die Akzeptanz in der Bevölkerung da ist, können Projekte wie die ‚Stadt für Morgen‘ erfolgreich sein. Wirtschaftsunternehmen sind hierfür ein relevanter Multiplikator. Leonberg ist auf einem sehr guten Weg.“

Nachdem Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen des Leonberger Gemeinderates ihre Fragen und Anregungen an Elke Zimmer und Peter Seimer im kleinen Sitzungssaal loswurden, machten sich alle auf den Weg zur Eltinger-, und Brennerstraße. Nicht etwa zu Fuß oder mit dem Auto. Sie nahmen selbstverständlich das Fahrrad und probierten die provisorische Umweltspur aus.

Verkehrssimulation legte den Grundstein für die Umweltspur
Die Pläne zum Verkehrsversuch laufen nicht erst seit Kurzem. Bereits im Herbst 2021 erhob das Referat für innovative Mobilität im Rahmen einer Verkehrssimulation Daten, um herauszufinden, wie sich der Verkehrsversuch auf den Verkehr auswirken könnte. Die positiven Ergebnisse wurden im Gemeinderat vorgestellt und ebneten den Weg, den Versuch in der Realität tatsächlich zu erproben. Das Fazit der ersten Versuchswoche fällt positiv aus. Bisher gab es kein Stau, weder in der Eltinger- noch in der Brennerstraße.