Starker Obstbehang macht Sorgen

Bäume drohen unter der Fruchtlast zusammenzubrechen

Viele Äste an Obstbäumen brechen unter der Last ihrer Früchte ab. Foto infopress24.de

ENZKREIS, 12.08.2018 (pm) – Das letztjährige, ertragslose Obstjahr hat dazu geführt, dass in diesem Frühjahr die Obstbäume auf den Streuobstwiesen und in den Hausgärten mit einer überreichen Blüte reagierten. Ideale Blüh- und Bestäubungsbedingungen sorgten dafür, dass Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume nun voller Früchte hängen. Die Vorfreude auf eine üppige Ernte wird allerdings dadurch getrübt, dass viele Bäume mittlerweile unter der Fruchtlast leiden. „Das stetig zunehmende Fruchtgewicht belastet die Tragäste und bringt diese zum Abkippen“, erklärt Bernhard Reisch, Obst- und Gartenbauberater beim Landratsamt Enzkreis. „Durch die abgesunkenen Äste wird die Befahrbarkeit der Wiese stark behindert. Nimmt die Fruchtlast weiter zu, können die Äste oder sogar der ganze Baum zuammenbrechen“, so Reisch weiter. In den letzten Tagen haben solche Baumschäden in den Obstwiesen der Region deutlich zugenommen. Mit zunehmender Fruchtreife werden sich diese Schäden noch ausweiten, befürchtet Reisch.

Besitzer von Streuobstwiesen und Gärten sollten daher nun unbedingt ihre Obstbäume kontrollieren und Äste mit hohem Fruchtbehang abstützen. Besonders belastend sind Früchte am äußeren Teil der Äste. „Hilfreich wäre es, zumindest diese Astbereiche durch Abschütteln der Früchte zu entlasten“, rät der Experte zu einer schnell umsetzbaren Notmaßnahme, um dem Ast- oder Baumbruch vorzubeugen.

Eine Verwertung dieser Früchte über Mostereien ist jedoch derzeit noch nicht möglich. Für viele Besitzer von Obstwiesen stellt sich daher die Frage, wie dieses Schüttelobst entsorgt werden kann.

Das Landratsamt schafft kurzfristig Abhilfe und unterstützt die Baumbesitzer, indem auf fünf Häckselplätzen im Enzkreis zusätzliche Container ausschließlich für das Fall- und Schüttelobst aufgestellt werden.

Von Mitte nächster Woche bis zum 8. September stehen diese Behälter auf den Häckselplätzen Niebelsbach, Stein, Lienzingen, Wiernsheim und Tiefenbronn bereit. „Nach diesem Datum werden die Container wieder entfernt, da zu dieser Zeit die örtlichen Mostereien und Obstannahmestellen öffnen“, weiß Bernhard Reisch.

In diesem Zusammenhang verweist Frau Dr. Hilde Neidhardt, Dezernentin für Landwirtschaft, Forsten und öffentliche Ordnung, auf die kürzlich vorgestellte Streuobstkonzeption des Enzkreises. „In diesem Maßnahmenkatalog findet sich eine Vielzahl an Fördermöglichkeiten für Streuobstwiesen und die Fallobstentsorgung ist in diesem Jahr eine erste konkrete Hilfe des Kreises für Obstwiesenbesitzer“, so die Dezernentin.

Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass Obst, das nicht selbst verwertet werden kann, auch kostenlos über die Streuobstwiesenbörse des Enzkreises angeboten werden kann. Insbesondere Familien ohne Obstwiesen suchen im Herbst gerne Früchte, die sie zum Verzehr oder zum Entsaften ernten dürfen.

Auf der Internetseite www.enzkreis.streuobstwiesen-boerse.de kann über eine einfache Eingabemaske ein Angebot eingestellt werden. Anbieter und Nachfrager können sich dann telefonisch oder per E-Mail kontaktieren und Nutzungsbedingungen vereinbaren. Obstanbieter können aber auch im Anzeigenpool „Obstsuchende“ aussuchen und Kontakt aufnehmen.