Runder Tisch zum Neustart

bei Georg Kost

Schlachthof Gärtringen

BÖBLINGEN/GÄRTRINGEN, 15.10.2020 (pm) – Landrat Roland Bernhard hatte am 13. Oktober  Vertreter der Schlachthof eG, der Metzger-Innung und des Kreisbauernverbandes zum zweiten Mal zu einem Runden Tisch eingeladen. Mit dabei war auch Kurt Matthes, der von der Schlachthof-Genossenschaft als Projektleiter bestimmt wurde, die Voraussetzungen für eine Wiederinbetriebnahme zu schaffen. Das Landratsamt hatte Anfang September Schlachtungen vorläufig untersagt.

Die Teilnehmer bestimmten zwei Arbeitskreise. Ein Arbeitskreis soll Maßnahmen erarbeiten, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Dazu gehören unter anderem, die bislang verwendete Betäubungsanlage zu ersetzen, ein Konzept zur Behebung baulicher Mängel zu erarbeiten und Standardarbeitsanweisungen für das Personal zu formulieren. Wann eine Wiederinbetriebnahme wieder möglich sein wird, ließen die Teilnehmer offen und bekräftigten den Willen, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit geht.

Um nach einer Wiedereröffnung des Schlachthofes eine größtmögliche Transparenz und Vertrauen in der Bevölkerung zu erhalten, beschäftigt sich die zweite gebildete Arbeitsgruppe damit, bauliche Einrichtungen und Arbeitsabläufe zu entwickeln, die weit über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen und künftig vor allem menschliches Fehlverhalten im Schlachtablauf weitgehend ausschließen. Man verfolgt die ehrgeizige Vision einer tierschutzkonformen, für die Tiere stressarmen Schlachtung, die eingebettet ist in eine ganzheitliche heimatnahe Vermarktung des Fleisches.

„Wir wollen uns moderner, digitaler Technologien bedienen. So kann zum Beispiel Künstliche Intelligenz und Big Data helfen, kritische Situationen zu vermeiden,“ sagt Kurt Matthes. Auch eine permanente Videoüberwachung des Schlachtprozesses inklusive der Aufstallung der Tiere ist in der Diskussion.

In den nächsten Tagen soll es eine Umfrage unter den Metzgereien geben, ob und in welcher Form sie den Gärtringer Schlachthof zukünftig nutzen würden. Der Bedarf ist Grundlage für die neue Konzeption.

Landrat Roland Bernhard berichtete zudem über die Sondersitzung des Agrarausschusses im Landtag, in der sich gestern der Minister Peter Hauk MdL zu den Vorgängen in Gärtringen erklärte. Enttäuscht zeigte er sich über den Wunsch des Ministers, die Veterinärämter aus den Landratsämtern herauszulösen. „Die untere staatliche Veterinärbehörde macht in den Landkreisen eine überaus engagierte und hervorragende Arbeit. Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass das Ministerium den Ämtern genügend Personal zur Verfügung stellt und ihre Entscheidungen nicht anzweifelt.“