Pforzheims OB Peter Boch ruft zu Zuversicht auf

bei Georg Kost

Neujahrsempfang 2020 unter dem Motto „Pforzheim digital“

OB Boch bei seiner Neujahrsansprache. Foto Stadt Pforzheim

PFORZHEIM, 13.01.2020 (pm) – Mit rund 2.000 Besuchern ist am Samstagabend der Neujahrsempfang der Stadt Pforzheim zu Ende gegangen, der dieses Jahr unter dem Motto „Pforzheim digital“ stand. Dieses zog sich wie ein Leitfaden durch die Neujahrsansprache von Oberbürgermeister Peter Boch und die gesamte Veranstaltung. „Entweder wir digitalisieren die Zukunft aktiv mit oder wir werden digitalisiert“, begründete der Rathauschef die Auswahl des Mottos.

Doch bevor er zu seiner Rede ansetzte, kam zunächst Dominique Macri zum Einsatz. Die gebürtige Marburgerin ist unter anderem Schauspielerin und Lyrikerin und sorgte mit ihrer im Poetry Slam gehaltenen Einleitung für Begeisterung. Erstmals überhaupt wurde die Veranstaltung durch eine Moderatorin begleitet. Mindestens genauso gut kam das Südwestdeutsche Kammerorchester an, das die Veranstaltung musikalisch umrahmte.
In seiner Neujahrsansprache ging der Oberbürgermeister auf wichtige Zukunftsthemen ein. Dabei lud er die Zuschauer ein, mit ihm „einen smarten Blick auf Pforzheim zu werfen“. Mit Bezug auf den fantastischen Film „Pforzheim – This is Home“ von Colin Zitt, der zur Einstimmung gezeigt wurde und momentan wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke geht, sprach er davon, „wie toll diese Stadt ist“ und man überlegen müsse, wie es hinzukriegen sei, dass sie immer so gut aussieht. Einen Beitrag dazu würden bald die sogenannten „Waste-Watcher“ – also die Müllpolizei – oder die „neue, ziemlich smarte, Abfall-App‘“ leisten.
Großen Raum räumte der Rathauschef auch dem Klimawandel ein. Dieser sei Realität. „Seine Auswirkungen spüren wir schon heute und wer das leugnet, dem ist, mit Verlaub, nicht mehr zu helfen.“ Allerdings sei es abzulehnen, in Hysterie und Aktionismus zu verfallen. Pforzheim sei in der Vergangenheit nicht untätig gewesen, besitze bereits seit 2012 ein Klimaschutzkonzept, das nun angepasst werde. Seit 2016 sei die Goldstadt zudem Mitglied im Neuen Konvent der Bürgermeister und habe sich verpflichtet bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erlangen. Klimaanpassungskonzept, Mobilitätsbeirat, ein Baumpflanzprogramm, bei dem künftig für jedes Neugeborene in Pforzheim ein Baum gepflanzt wird, oder die Zertifizierung als Fair-Trade-Town sind einige Beispiele für geplante und laufende Maßnahmen. An der Schaffung eines neuen Gewerbegebietes – entweder im Ochsenwäldle oder in Klapfenhardt – hält der OB trotz andersartiger Forderungen von Klimaaktivisten fest, betonte in seiner Rede aber die Bedeutung einer ressourcenschonenden Entwicklung. Ein gutes Beispiel für Innenverdichtung könnte ein Factory Outlet Center im Brötzinger Tal sein.

Beim Thema Bäder sei noch „richtiges ranklotzen“ gefragt. Der Gemeinderat habe beschlossen, einen Neubau in Huchenfeld und ein kleines Emma-Jaeger-Bad auf den Weg zu bringen. Daran werde gearbeitet. Der nächste Schritt sei eine Sondersitzung des Gemeinderates am 28. Januar, die „uns der Lösung der Bäderfrage sicher einen Schritt näher bringen“ werde. Zudem kündigte der Oberbürgermeister weitere Investitionen in den Ausbau der Kinderbetreuung und Schulsanierungen an. Es werde „eine Bildungseinrichtung nach der nächsten saniert“.

Sehr ausführlich ging Peter Boch auf die verschiedenen Facetten der Digitalisierung ein – ob im Klassenzimmer oder in der Verwaltung. Im Rahmen des Digitalpakts Schule fließen bis 2024 rund 8,2 Millionen Euro an Pforzheim, die Stadt selbst steuert rund 3 Millionen Euro dazu bei. Die Verwaltung sei im Rahmen des „Online-Zugangsgesetzes“ auch verpflichtet, sich weiter zu digitalisieren. Ein gelungenes Beispiel hierfür sei die Online-Terminvergabe im Bürgercentrum.

Im Rahmen der Abendveranstaltung verlieh der OB die Bürgermedaille an Karin Saeger für ihr über 40-jähriges Engagement für die Belange von Frauen in und über Pforzheim hinaus. „Die seit Jahrzehnten von Ihnen geleistete ehrenamtliche Arbeit geht weit über den Rahmen normaler ehrenamtlicher Tätigkeit hinaus“, so Peter Boch in seiner Laudatio. Wie sie ihre Familie, ihre Karriere und ihren Ehrenamt unter einen Hut bekommen habe, in Zeiten, „als es um die Familienfreundlichkeit unserer Stadt noch deutlich schlechter bestellt war“, das nötige ihm den allergrößten Respekt ab.

Die diesjährigen Spenden kommen dem „ZONTA-Fonds gegen Altersarmut von Frauen“ zu Gute.
Im Foyer präsentierte die Stadtverwaltung ihr digitales Angebot, wie beispielsweise die Abfall-App, das Projekt Reuchlin digital oder auch die IBench. Darüber hinaus stellten auch einige Pforzheimer Gymnasien ihre digitalen Schulprojekte vor, darunter die Alfons-Kern-Schule, das Hebel-Gymnasium, das Kepler-Gymnasium, das Hilda-Gymnasium, das Reuchlin-Gymnasium, das Schiller-Gymnasium und das Theodor-Heuss-Gymnasium.