Landrat Riegger auf Sommertour zu Landwirtschaftsbetrieben

bei Georg Kost

Landwirtschaft im Kreis Calw auf dem Weg zur Digitalisierung

Beim Besuch auf dem Hof von Hans-Jochen Burkhardt (links) informierte sich Landrat Helmut Riegger unter anderem über die Weidehaltung und Offenhaltung der Landschaft. Foto LRA

CALW, 19.08.2020 (pm) – Landrat Helmut Riegger besuchte im Rahmen seiner Sommertour verschiedene Landwirtschaftsbetriebe im Landkreis Calw. Dabei wurden die Vielfalt und Leistungsfähigkeit, aber auch die zukünftigen Herausforderungen der Landwirtschaft im Kreis veranschaulicht. Beeindruckt zeigte sich der Kreischef davon, wie auf den landwirtschaftlichen Betrieben bewährte, traditionelle Erfahrungen mit moderner Technik sinnvoll kombiniert werden.

Besonders deutlich wurde dies bei der Besichtigung des neugebauten Milchviehstalls der Familie Hammer in Egenhausen. „Hier wird sichtbar, wie wichtig der Breitbandausbau und der Glasfaseranschluss ist. Das ist Landwirtschaft 4.0, was Sie hier machen“, hob Riegger hervor.

Familie Hammer ist vor wenigen Wochen mit ihren Kühen und Kälbern in den neuen Stall an der Gemarkungsgrenze von Egenhausen und Spielberg umgezogen. Das Aussiedlungsprojekt wird von der Hochschule Nürtingen wissenschaftlich begleitet, um Tierwohl und Emissionen zu optimieren. Durch den Glasfaseranschluss kann sich der Landwirt jederzeit und von überall über den Zustand und das Wohlbefinden jedes einzelnen Tieres informieren.

Die Technik ersetze aber nicht das aufmerksame und erfahrene Auge des Tierhalters, so Eberhard Hammer. Durch den Einsatz der digitalen Hilfsmittel werde der Anteil der schweren körperlichen Arbeit geringer, der Tierhalter habe wesentlich mehr Zeit für die Tierbeobachtung und er könne frühzeitig auf Veränderungen reagieren. Durch die Messung und Dokumentation zahlreicher Daten werden selbst kleine Veränderungen sichtbar, die ohne die automatische Datenerfassung nicht erkennbar wären.

Landrat Riegger zollte Familie Hammer großen Respekt für den Mut und die Leistung, den Betrieb mit dieser großen Investition zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Erfreulich sei zudem, dass die beiden Söhne bereits voll im Betrieb integriert sind und den Betrieb weiterführen möchten.

Alle Teilnehmer der Besuchsgruppe, zu der unter anderem Bürgermeister Sven Holder aus Egenhausen und Bürgermeister Gerhard Feeß aus Altensteig sowie Vertreter des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und der Hochschule Nürtingen gehörten, beglückwünschten Familie Hammer zum gelungen Aussiedlungsprojekt.

Bei der zweiten Station auf dem Betrieb von Hans-Jochen Burkhardt in Oberreichenbach-Würzbach stand die Weidehaltung und Offenhaltung der Landschaft im Vordergrund. Der weitüberwiegende Teil der Flächen liegt um den Hof und wird von der Mutterkuhherde beweidet. Der anfallende Mist, ein Teil des Futterertrags der Wiesen sowie zusätzlich Kleegras und Silomais werden in der Biogasanlage zur Strom- und Wärmeerzeugung verwertet. Weitere wichtige Standbeine auf dem Betrieb sind die Direktvermarktung von Fleisch und der Verkauf wertvoller Zuchttiere der Rasse hornloses Fleckvieh an Landwirte im ganzen Bundesgebiet. Wie der Landwirt betonte, ermögliche nur der ruhige und respektvolle Umgang mit den Tieren die Weidehaltung. Beunruhigungen, etwa durch einen Wolf, würden ihm zufolge ein effizientes und gefahrloses Arbeiten mit der Herde verhindern.

Beim Besuch des Betriebs von Friedrich Großhans, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Calw, in Simmersfeld-Beuren standen aktuelle agrarpolitische und forstliche Themen im Fokus. So wurden unter anderem die Novellierung der Düngeverordnung und die zusätzlichen Dokumentationspflichten erörtert. Die unverändert zunehmende Bürokratie sei von den klein- und mittelbäuerlichen Betrieben nicht mehr zu bewältigen. Die Situation des Waldes – aktuell die Trockenheit, die Borkenkäfergefahr und die damit verbundenen niedrigen Holzpreise – stelle die Waldbesitzer vor sehr große Probleme. Die Land- und Forstwirte im Kreis Calw seien aktuell mit großen Herausforderungen konfrontiert, dennoch biete die Land- und Forstwirtschaft schöne und vielseitige Tätigkeiten, so Großhans im Gespräch mit dem Landrat. Der Betrieb habe mit der Milcherzeugung, der Forstwirtschaft und mit Dienstleistungen wie beispielsweise dem Winterdienst verschiedene Standbeine. Mit dieser Kombination versucht die Familie ihr Auskommen zu ermöglichen.

Riegger hob die Bedeutung der Landwirtschaft für den Erhalt und die Offenhaltung der Landschaft hervor, die eine wichtige Grundlage für den erfolgreichen Tourismus in der Region darstelle. Die Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe im Kreis Calw leisten dabei einen unverzichtbaren Beitrag. Zudem werde die Versorgung mit Lebensmittel aus der Region für die Verbraucherinnen und Verbraucher immer bedeutender.