IG Metall Tarifrunde im KFZ Handwerk

bei Georg Kost

Beschäftigte demonstrieren mit Autos durch Pforzheim

Warnstreick im KfZ Handwerk in Pforzheim. Foto IG Metall

PFORZHEIM, 11.06.2021 (pm) – Noch nie gab es im KFZ Handwerk derart viele Protestaktionen wie in dieser Tarifrunde, erklärt der Sprecher der IG Metall Pforzheim, Arno Rastetter.
Mächtig stolz auf seine Mann- und Frau- Schaft ist der Betriebsratsvorsitzende für die Standorte Bretten, Bruchsal und Pforzheim, Dietmar Adler. Nachdem die Beschäftigten in Bretten bereits am vergangenen Dienstag zeitweilig die Arbeit niedergelegt hatten, war am Mittwoch die Werkstatt in Pforzheim leergefegt. 25 Beschäftigte schlossen sich mit ihrem Auto dem Autokorso an, den die IG Metall Pforzheim organisiert hatte.

Zu verantworten hätten dies die Arbeitgeber mit ihrer Kündigung von weiten Teilen des Manteltarifvertrags, so der Betriebsratsvorsitzende.
„Die Arbeitgeber fordern unverhohlen die Kürzung aller Zuschläge für Mehr,- Schicht,- und Samstagsarbeit. Darüber hinaus ist auch die wöchentliche Arbeitszeit gekündigt und die Forderung nach regelmäßiger Samstagsarbeit gestellt“, so Adler weiter.

In Richtung Arbeitgeber erwartet er, dass der Manteltarifvertrag vorab wieder in Kraft gesetzt wird, bevor die Verhandlungen am 18. Juni fortgesetzt werden.

Diese werden schwierig genug, da die Arbeitgeber ja erklärt haben, dass es für 18 Monate überhaupt keine Entgelterhöhung geben soll, ergänzt der zuständige Gewerkschaftssekretär der IG Metall Pforzheim, Jonathan Trapp.

In die gleiche Kerbe schlägt Ivan Curkovic, Verhandlungsführer der IG Metall Baden-Württemberg, bei der Kundgebung in Pforzheim: „Eine Nullrunde für 18 Monate, der Samstag als regulärer Arbeitstag und weniger und niedrigere Zuschläge – für solche Vorstellungen der Arbeitgeber zeigen die Beschäftigten null Verständnis und sind zurecht empört.“

Angebracht wäre das Gegenteil: In der Corona-Pandemie haben die Belegschaften im Kfz-Handwerk zahlreiche zusätzliche Belastungen geschultert, sich zu Gunsten der Arbeitgeber bei den Arbeitszeiten flexibel gezeigt und durch Kurzarbeit Entgelteinbußen hingenommen. „All das müssten die Arbeitgeber honorieren, nicht bestrafen“, so Curkovic. „Wir erwarten, dass sich die Gegenseite bei der zweiten Verhandlung am 18. Juni deutlich bewegt.“

Betriebsratsvorsitzender der Schwabengarage Pforzheim, Martin Schönbach erklärt bei der Kundgebung: „Die unsägliche „Früher-war-alles-viel-besser-Mentalität“ des KFZ-Arbeitgeberverbandes mit ihrer völlig inakzeptablen Forderung, den Samstag wieder zum Werktag zu machen, wollen wir hier mit Druck entgegentreten. Die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen aus anderen Branchen hat uns begeistert. Denn gemeinsam sind wir stärker.“

Als Unverschämtheit bezeichnet Trapp das Begehren der KFZ Arbeitgeber, dass die tarifliche Bezahlung für künftig einzustellende Beschäftigte in den ersten zwei Jahren überhaupt nicht gelten soll. „Selbst Auszubildende, die nach ihrer Ausbildung übernommen werden, sollen erst nach zwei Jahren richtig bezahlt werden“, so Trapp weiter.

„Zur Kundgebung waren die Beschäftigten in einem Korso mit ihren Autos gekommen, der vor der Firma S & G gestartet war, durch Pforzheim fuhr, wo sich auf der Wilferdinger Höhe die Beschäftigten der Schwabengarage mit ihren Fahrzeugen einreihten. Rund 25 Beschäftigte des VW Zentrums kamen zu Fuß über die Straße und verstärkten die Kundgebung mit knapp 75 Teilnehmenden.

Die Ansagen aus dem „FunMog“ sowie die Kundgebung wurde in bekannter Manier über einen Zoom-Link auf die Handys in die Autos übertragen. Dies hatte sich schon bei der „Autokundgebung“ in der Metalltarifrunde bewährt,“ erklärt der Sprecher der IG Metall Pforzheim.

Für den kommenden Freitag, den 18. Juni ist eine weitere Protestaktion geplant, kündigt Jonathan Trapp von der IG Metall Pforzheim an.