Gesundheitsamt informiert zu Coronavirus

bei Georg Kost

ENZKREIS/PFORZHEIM, 27.02.2020 (pm) – Ausgehend von der chinesischen Stadt Wuhan, breitet sich das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 weiter aus. Die Zahl der bestätigten Infektionen steigt erstmals außerhalb Chinas stärker an als in China. Um eine Weiterverbreitung in Deutschland zu verhindern, ist es wichtig, Fälle früh zu erkennen, sie zu isolieren und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Das Gesundheitsamt rät jedoch zur Besonnenheit: Für Panik gebe es bislang keinen Grund, da die Wahrscheinlichkeit, sich in Deutschland anzustecken bisher extrem gering ist und das Virus nur in relativ wenigen Fällen zu schweren Erkrankungen oder gar zum Tod führe.

Laufend aktualisierte Informationen finden Sie hier.

Antworten auf die häufigsten Fragen:

  • Gibt es in Pforzheim/im Enzkreis Verdachtsfälle?

Nein, in der Region gibt es bislang keine Verdachtsfälle. Influenzameldungen aus Kliniken, Praxen und Laboren sind dagegen an der Tagesordnung.

  • Werden Menschen vorsorglich getestet?

In Baden-Württemberg, wie in anderen Bundesländern auch, wurde bei einigen Reiserückkehrern eine Diagnostik veranlasst. Bei einem Mann aus dem Landkreis Göppingen wurde am 25. Februar auf diese Weise eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen. „Dies ist die erste bestätigte Infektion im Land“, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Brigitte Joggerst; möglicherweise würden aber noch weitere gefunden. „Begründete Verdachtsfälle können in Absprache mit dem Gesundheitsamt im Labor des Landesgesundheitsamtes untersucht werden.“

  • Was passiert bei einem positiven Labor-Ergebnis?

Wenn Menschen positiv getestet werden, werden sie isoliert und ihre Kontaktpersonen werden ausfindig gemacht. Auch sie müssen dann 14 Tage zu Hause bleiben. Erst dann dürfen sie wieder mit anderen Menschen zusammenkommen. In dieser Zeit ruft ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes täglich bei den Betroffenen an und bespricht mit ihnen die Situation. Wenn sie Zeichen einer Erkrankung entwickeln, zum Beispiel Husten oder Fieber, werden weitere Maßnahmen wie eine Klinikeinweisung ergriffen. „Durch diese massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) sollen einzelne Infektionen so früh wie möglich erkannt werden, um so die weitere Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verzögern“, erläutert Brigitte Joggerst das Ziel.

  • Gibt es Risiko-Gebiete? Worauf sollen Reiserückkehrer achten?

„Vor allem für Reiserückkehrer ist es sehr wichtig, auf die vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiete zu achten“, sagt Angelika Edwards, Leiterin des Infektionsschutzes im Enzkreis-Gesundheitsamt. Diese sind Stand heute

  1. In China: die Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan) und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang.
  2. Im Iran: die Provinz Ghom
  3. In Italien: die Provinz Lodi in der Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien.
  4. In Südkorea: die Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

Reisende, die in einem dieser Länder mit einer an COVID-19 erkrankten Person Kontakt hatten, sollten sich umgehend an ihr Gesundheitsamt wenden. Wer innerhalb von 14 Tagen nach der Rückkehr Fieber, Husten oder Atemnot entwickelt, sollte nach telefonischer Anmeldung und unter Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen. Zudem sollten diese Menschen Kontakte auf das notwendigste beschränken und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

  • Wie wird das Coronavirus übertragen?

Das neuartige Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Die Übertragung erfolgt primär über Sekrete der Atemwege. Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob sich das Virus auch fäkal-oral verbreiten kann, ist noch nicht abschließend geklärt.

  • Welche präventiven Maßnahmen sind sinnvoll?

In der Allgemeinbevölkerung sind die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung eine gute Händehygiene, also regelmäßiges gründliches Händewaschen, korrekte Hustenetikette und das Einhalten eines Mindestabstandes (etwa 1 bis 2 Meter) von krankheitsverdächtigen Personen.

  • Was kann man sonst noch tun, um Infektionen vorzubeugen?

Beim Husten und Niesen gilt generell: Abstand halten oder sich wegdrehen und sich die Armbeuge oder ein Taschentuch vor Mund und Nase halten. Das Taschentuch sollte umgehend entsorgt werden. Zu den Vorbeugungsmaßnahmen gehört zudem, sich die Hände regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife zu waschen. „All dies ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuell in Deutschland laufenden Influenza-Welle sehr zu empfehlen“, sagt Edwards: „Es gilt Zeit zu gewinnen, um ein Zusammentreffen von Corona und Influenza möglichst zu vermeiden“.

  • Hilft ein Mundschutz gegen das Virus?

Einen Mundschutz zu tragen hält Edwards für wenig sinnvoll: „Das ist nur im Krankenhaus wirklich notwendig, wo sich Ärzte und Pflegekräfte intensiv um Kranke kümmern.“

  • Wie wird das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland eingeschätzt?

Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und wägt das Risiko für die Bevölkerung ab; aktuell wird es für Deutschland als gering bis mäßig eingeschätzt. „Die globale Entwicklung legt es jedoch nahe, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung des Virus kommen kann und wir auch bei uns in Deutschland mit weiteren Fällen rechnen müssen“, sagt Angelika Edwards. Daher lege man in Pforzheim und im Enzkreis großen Wert auf gutes Zusammenwirken und engen Austausch zwischen Gesundheitsbehörden, Kliniken und der Ärzteschaft. Edwards: „Alle sind vorbereitet und kennen die notwendigen Maßnahmen wie Absonderungen oder Quarantäne. Ein Abriegeln von ganzen Kommunen wie in Norditalien ist bei uns aber derzeit nicht in Sicht.“ Solche Maßnahmen würden bei begrenzten Ausbruchsgeschehen zur Verhinderung einer Weiterverbreitung eingesetzt. „Eine solche Lage ist jedoch bislang bei uns nicht erkennbar“, so die Fachfrau.

  • Wie hoch wird das Risiko in Pforzheim und im Enzkreis eingeschätzt?

„Selbst, wenn die Ansteckung wahrscheinlich bereits vor Beginn von Symptomen besteht, haben wir auf Grund unserer recht guten Lebensbedingungen und unseres sehr gut aufgestellten Gesundheitssystems sehr gute Chancen“, beruhigt Joggerst. Eine Ausdehnung von Informationskampagnen und Aufklärungen über Schutzmaßnahmen werde bei weiterem Auftreten von Erkrankungen erfolgen. „Am wichtigsten ist es, nicht in Panik zu fallen“, betont die Gesundheitsamts-Leiterin.

  • Wie werden Erkrankte behandelt?

Die Behandlung von Patienten erfolgt zumeist symptomatisch, das heißt entsprechend des Schweregrades der Symptome. Behandelt wird zum Teil mit antiviralen Medikamenten und solchen zur Linderung der Allgemeinsymptome wie Fieber, Husten und Schnupfen. Bei sehr schweren Erkrankungen, die eine Lungenentzündung nach sich ziehen, werden auch Antibiotika eingesetzt falls notwendig beatmet. „Glücklicherweise ist dies aber nur selten der Fall“, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes.

  • Wie ist die Situation in den Kliniken in der Region?

„Die Kliniken haben Vorbereitungen für weitere Betten getroffen“, schildert Brigitte Joggerst die Situation: „Mundschutz, Desinfektionsmaterial und notwendige Medikamente sind vorhanden, leider steht aber ein Impfstoff noch aus“. An einer Ausweitung der Bettenkapazitäten werde gearbeitet, Personal entsprechend geschult. „Sobald in Deutschland mehr Fälle auftreten und deutlich wird, dass eine Verbreitung in Deutschland auf Dauer nicht mehr zu vermeiden ist, wird die Bekämpfungs-Strategie schrittweise angepasst“.

  • Was passiert, wenn sehr viele Menschen erkranken?

Sollte es zu einer hohen Anzahl an Patienten kommen, so würde die Strategie angepasst. „Dann werden insbesondere diejenigen mit schwerer Symptomatik stationär aufgenommen“, sagt Joggerst. Glücklicherweise verlaufe die Erkrankung bei den allermeisten Patienten sehr mild.

  • Was ist die Aufgabe des Gesundheitsamts?

Das Gesundheitsamt koordiniert in enger Absprache mit den Kliniken, der Rettungsleitstelle und der Ärzteschaft. Eine Bündelung des Personals im Hinblick auf Aufklärung und Beratung der Bevölkerung ist eingeleitet.