Beim Einkaufen zum Lebensretter geworden

bei Georg Kost

Wiederbelebung am Supermarkt durch beherztes Handeln

Sie sind froh, dass die Reanimation in Wimsheim geglückt ist (von links): Uta Schaber, Herbert Mann, Marvin Bayer und Sabrina Sauer. Foto: DRK

WIMSHEIM/TIEFENBRONN, 11.07.2020 (drk) – Eigentlich wollte Marvin Bayer am Freitag vor zwei Wochen nur einkaufen gehen. Doch diesen Besuch im Wimsheimer Edekamarkt wird der 25-Jährige nicht vergessen: Im Bereich der Warenanlieferung sah er eine Person am Boden liegen; neben ihm zwei Frauen, die augenscheinlich einen Notruf absetzten. Er eilte zu ihnen und drehte den Mann in die stabile Seitenlage.

Bayer sprach ihn laut an, rüttelte ihn – doch weder kam eine Reaktion noch konnte er einen Puls fühlen. „Und drei Tage vorher hatte ich zufällig in einem Buch über das Thema Überlebenstraining erst ein Kapitel zum Thema Erste Hilfe gelesen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das so schnell brauchen könnte“, sagt der Hochschulabsolvent. Sofort begann er mit der Herzdruckmassage.

Inzwischen rückten ein Team der DRK-Rettungswache in Tiefenbronn und ein Rettungshubschrauber mit Notarzt nach Wimsheim aus. „Die umstehenden Leute haben wir erstmal weggeschickt“, erinnert sich Rettungssanitäterin Uta Schaber. „Du machst aber weiter!“ baten sie und ihre Notfallsanitäter-Kollegin Sabrina Sauer den engagierten Ersthelfer. Die beiden Frauen machten die für eine Reanimation benötigte medizinische Ausstattung einsatzklar und lösten Bayer nach einer knappen Minute ab. Erste Diagnose: Kammerflimmern. Der Defibrillator schockte den Patienten – gerade mal Jahrgang 1973 – drei Mal. Dann stabilisierte sich der Kreislauf allmählich. Im Krankenhaus wurde schließlich festgestellt, dass der Mann einen schweren Herzinfarkt erlitten hat.

Sabrina Sauer und Uta Schaber war es wichtig, Bayer im Nachhinein noch einmal bewusst zu machen, was sein beherztes Handeln bewirkt hat. Da die beiden DRK-Mitarbeiterinnen noch nie einen so engagierten Ersthelfer erlebt hatten, der nicht nur schnell, sondern auch von der Ausführung her optimal gehandelt und sie auch im Nachhinein noch an der Einsatzstelle unterstützt hatte, wollten sie ihn als Zeichen der Wertschätzung zu sich in die Rettungswache einladen. Dank einer Nachfrage bei der Polizei konnte der Kontakt zu Marvin Bayer herausgefunden und so ein Treffen im Nachhinein ermöglicht werden. Von Seiten der Ordnungshüter kam ebenfalls ein Lob und ein Dank an Bayer: „Insbesondere bemerkenswert ist, dass Ersthelfer sofort fachgerecht Hand anlegen, statt wie gewohnt sensationslustig ihr Handy zum Filmen zücken“, merkt Polizeipressesprecher Frank Otruba an.

In der Tiefenbronner Rettungswache war dann Zeit, sich über das Erlebte nochmal auszutauschen. „An Corona habe ich in der Hektik gar nicht gedacht. Ich wollte nur helfen und habe einfach gehandelt. Und ich war so froh, dass ich dazu klare Anweisungen bekommen habe“, sagt Bayer. Er erfuhr von den DRK-Einsatzkräften zudem, dass es dem reanimierten Mann inzwischen besser geht und er mittlerweile von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt werden konnte. Mit leeren Händen ging der 25-Jährige übrigens nicht nach Hause: Von DRK-Rettungsdienstleiter Herbert Mann gab’s unter anderem einen Gutschein für einen Erste-Hilfe-Kurs – denn seinen ersten und letzten hatte Bayer im Rahmen seines Führerscheinerwerbs absolviert.