Baden-Württemberg hat mit die jüngste Bevölkerung

Dennoch: Das Durchschnittsalter liegt um 9 Jahre höher als noch 1970

bei Georg Kost

Im Enzkreis liegt das Durchschnittsalter bei 44,6 Jahre

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BADEN-WÜRTTEMBERG, 26.08.2021 (pm) – Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Baden-Württemberg, das Anfang der 1950er-Jahre bei lediglich knapp 35 Jahren lag, hat sich bis zum Jahr 1970 praktisch nicht verändert. Seither ist die Gesellschaft aber deutlich gealtert: Die Bevölkerung war Ende 2020 im Schnitt bereits 43,8 Jahre alt und damit um rund 9 Jahre älter als noch 1970, so das Statistische Landesamt. Dennoch weist der Südwesten die jüngste Bevölkerung unter den Flächenländern auf; nur in den Stadtstaaten Hamburg (42,1 Jahre) Berlin (42,7 Jahre) und Bremen (43,7 Jahre) lag das Durchschnittsalter zuletzt niedriger. Am ältesten ist die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt mit im Schnitt 48,1 Jahren, gefolgt von den anderen östlichen Bundesländern.

Ursächlich für die Alterung der Bevölkerung in Baden-Württemberg ist zum einen eine zu geringe Geburtenrate: Diese lag annähernd vier Jahrzehnte lang bei lediglich ca. 1,4 Kindern je Frau; in den vergangenen Jahren war die durchschnittliche Kinderzahl je Frau allerdings etwas höher. Zum anderen hat auch die enorm gestiegene Lebenserwartung – seit Anfang der 1970er-Jahre um knapp zehn Jahre bei den Frauen bzw. sogar um gut elf Jahre bei den Männern – zu einem stetigen Anstieg des Durchschnittsalters geführt.

Dass Baden-Württemberg trotz einer zwischenzeitlich nur noch durchschnittlichen Geburtenrate und der höchsten Lebenserwartung der Bundesländer bundesweit mit die jüngste Bevölkerung aufweist, ist vor allem auf eine zeitweise starke Zuwanderung zurückzuführen. Denn dieser Zuzug hat bewirkt, dass die Alterung der Bevölkerung abgeschwächt wurde, da die Zugezogenen deutlich jünger als die einheimische Bevölkerung waren.

Für eine Bestandserhaltung der Bevölkerung ohne Zuwanderung wäre langfristig eine Geburtenrate von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau erforderlich.

Vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahre lag die durchschnittliche Kinderzahl je Frau in Baden-Württemberg allerdings noch relativ deutlich über dem Bundesdurchschnitt; ähnlich waren die Verhältnisse in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre, weil in diesem Zeitraum die durchschnittliche Kinderzahl je Frau in den östlichen Bundesländern sehr niedrig war. Zwischenzeitlich entspricht die Geburtenrate in Ostdeutschland aber wieder dem Durchschnitt des früheren Bundesgebiets.

Werden die 1 101 Kommunen des Landes betrachtet, sind die Unterschiede noch deutlich größer: Die landesweit jüngste Bevölkerung lebt derzeit in Riedhausen im Landkreis Ravensburg (38,1 Jahre), gefolgt von Bubsheim im Landkreis Tuttlingen und Allmannsweiler im Landkreis Biberach (jeweils 39,1 Jahre). In fünf weiteren Kommunen liegt das Durchschnittsalter bei unter 40 Jahren; hierzu zählt auch die Universitätsstadt Tübingen, in der die Einwohnerinnen und Einwohner im Schnitt lediglich 39,6 Jahre alt sind.

Durchschnittsalter:
Enzkreis 44,6 Jahre
Landkreis Calw 44,4 Jahre
Landkreis Böblingen 43,4 Jahre
Pforzheim 42,7 Jahre

Auf der anderen Seite wird das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung in der Stadt Baden-Baden noch von immerhin 40 Gemeinden übertroffen. Am höchsten liegt es im Erholungsort Ibach, der kleinsten Gemeinde im Landkreis Waldshut, mit 53,2 Jahren, gefolgt von der Exklave Büsingen am Hochrhein (Landkreis Konstanz) mit 51,1 Jahren sowie Untermarchtal (Alb-Donau-Kreis) mit 50,6 Jahren. Das Ergebnis Untermarchtals wird sicherlich ganz entscheidend von den dort ansässigen Klosterbewohnern bestimmt.

Die Gründe für das regional sehr unterschiedliche Durchschnittsalter der Bevölkerung sind vielfältig. Neben Sondereinflüssen wie ein hoher Studierendenanteil, der Sitz eines Klosters oder die Prägung einer Kommune durch einen Kurbetrieb, wird die Altersstruktur der Bevölkerung nicht zuletzt durch die Höhe der Geburtenrate bestimmt. Schließlich ist für die Entwicklung dieser Kenngröße aber auch ganz entscheidend, ob in der Vergangenheit junge oder ältere Menschen per Saldo zu- oder weggezogen sind. Diesbezüglich hat der seit der Jahrtausendwende zu beobachtende Trend, dass vor allem junge Erwachsene verstärkt in die Groß- und Universitätsstädte des Landes gezogen sind, dazu geführt, dass dort das Durchschnittsalter der Bevölkerung langsamer als in den meisten kleineren Gemeinden angestiegen ist. In den letzten Jahren hat sich aber dieser »Trend in die Stadt« deutlich abgeschwächt.